Autograf: Beethoven-Haus Bonn (D-BNba), Sign. NE 241,59

Cassel den 19ten
Sept. 1842.1

Hochgeehrtester Herr,

Beykommend übersende ich Ihnen das Manuscript des Psalms. Wollen Sie mir die Correktur zusenden, so werde ich dieselbe sehr gern übernehmen. Ist Ihr Correktor aber zuverlässig, so wird es nicht nöthig seyn, da das Manuscript völlig correkt ist.
Die Partitur oder Orchesterstimmen des Oratoriums „die letzten Dinge“ kann ich Ihnen leider nicht schreiben lassen, da ich seit etwa 3 Jahren beydes vermisse. Sie wurden sehr oft verborgt und da ich früher dergleichen nicht notirte, so kann ich jetzt durchaus nicht ermitteln, wo sie sich befinden mögen. Ich habe schon an einigen Orten angefragt aber ohne Erfolg. Im Falle Ihres Auftrags habe ich nun nochmals hier an allen Orten, wo sie nur zu vermuthen waren, suchen lassen, aber auch vergeblich! Sie werden ja wohl in Ihrer Nähe irgendwo eine Partitur wissen, wo Sie die Copie können machen lassen? Unter andern besitzt auch Herr Verkenius eine solche.
Bey gelegentlicher gefälliger Einsendung des Honorars für den Psalm bitte ich auch um gütige Beyfügung meines Guthabens, welches laut der von Ihnen am 15ten Febr. 1841 ausgestellten Rechnung 44 Rth.betrug. Auch würden Sie mich sehr verbinden, wenn Sie die Güte hätten, ein Honorar von 2 Friedrichsd'or, welches mir Herr Dunst in Bonn schuldet (für ein Lied welches ich ihm auf Verlangen einsandte)2 einkassiren zu lassen und beyzufügen.
Die Berliner Sing-Academie, die so eben wegen der Partitur, Orchesterstimmen, Clavierauszug und Gesangstimmen von „des Heilands letzte Stunden“ an mich schrieb, werde ich wegen der beyden letzteren an Sie verweisen.
Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr
ergebenster
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Dunst, Johann Michael
Verkenius, Erich Heinrich
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Spohr, Louis : Lieder, Singst Kl 4hdg, WoO 102
Spohr, Louis : Psalm 128
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Singakademie <Berlin>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1842091921

http://bit.ly/1Nl3hlN

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Simrocks verschollenen Brief vom 12.09.1842. Der nächste überlieferte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Simrock 04.02.1844, aus dem hervorgeht, dass es in der Zwischenzeit keine weiteren Briefe zwischen Spohr und Simrock gab.

[1] Auf dem Brief findet sich daneben noch der folgende Vermerk des Empfängers: „N° 823. / Cassel d. 19/24 Sept. 1842. / Spohr / Beantw. d.“

[2] Das Lied „Die sieben Schwestern“ erschien in Rhein-Sagen und Lieder, Fünftes Heft, Bonn [1840], Pl.-Nr. 150, S. 2-9. Vgl. Johann Michael Dunst an Spohr, 06.07.1839 und Spohr an Dunst, 02.08.1839.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (14.12.2015).