Autograf: nicht ermittelt
Abschrift: Christoph Wolfgang Hilf, Die Familie Hilf, Ms., [Bad Elster nach 1858], S. 193ff., in: Vogtlandbibliothek Plauen (D-PLst), Sign. K 921 Hilf, Christoph Wolfgang

Cassel d. 3ten Sept. 1842

Hochgeehrter Herr,

durch den Abgang des Herrn Hauptmann aus unserer Kapelle (als Cantor in die Thomasschule) ist eine Stelle bei der ersten Violine erledigt, für die sich zwar schon mehrere Bewerber gemeldet haben, für die ich aber am liesten Sie gewinnen möchte. Wünschen Sie daher ein Mitglied unserer Kapelle zu werden, so reisen Sie sogleich nach Empfang dieses Briefes hieher. Sie werden dann im Theater im Zwischenakt ein Concert spielen1, um vom Prinz2 gehört zu werden, und da Sie ihm, woran ich nicht zweifle, sehr gefallen werden, so wird dann Ihrer sofortigen Anstellung nichts weiter im Wege stehen. Der Gehalt, der der mit dieser Stelle verbunden ist, beträgt 400 Thaler Preuß. Courant. Im Sommer wird das Theater 6 Wochen lang geschlossen, wo jeder auf3 so langen Reiseurlaub erhält.
Sollten Sie nicht sogleich abreisen können, so melden Sie mir umgehend, bis wann Sie hier eintreffen können, so wie ich dann auch sogleich eine Antwort erwarte im Fall Sie sich nicht um die Stelle bewerben wollen. Sollte Ihrer Anstellung irgend ein Hinderniß entgegentreten, was ich aber keineswegs befürchte, so werden Ihnen Ihre Reisekosten vergütet werden.
Jedenfalls bitte ich also um eine recht baldige Antwort und unterzeichne hochachtungsvoll

Ihr
ergebener Dr. Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hilf, Christoph Wolfgang
Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Hauptmann, Moritz
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1842090313

http://bit.ly/2z1TR21

Spohr



Hilf beantwortete diesen Brief am 09.09.1842.
Über den Postweg dieses Briefs bemerkt Hilf: „Ich befand mich zu der Zeit noch in der Heimath, während Herr Kapellmeister Spohr der Meinung war, daß ich schon wieder in Leipzig sein würde und deshalb den obigen brief dem H. Hauptmann, wie er nach Leipzig reiste, mitgegeben hat, um mir denselben einhändigen zu wollen. Da aber Hauptmann nicht wußte wo ich wohne, so schickte er den Brief an Concertmeister David. Letzterer schrieb auf die Adresse: TonKünstler in Elster bei Adorf. Soltte Hr. Hilf nicht in Elster sein, so wird gebeten diesen Brief ihm schleunigst nachzuschicken. David schickte den Brief an Hauptmann wieder zurück und Hauptmann schrieb auf den brief franko und sendete den Brief nach Elster, wo ich ihn richtig empfangen habe.“ (Hilf, S. 195).

[1] Vgl. Spohr an Ferdinand David, 26.09.1842.

[2] Der spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm.

[3] recte „auch“?

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.03.2020).