Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Copenhagen d. 27sten Novbr.
1841.

Wohlgeborner, Hochgeehrtester Herr!

Wie soll ich Ihnen meinen Dank bringen für die Freude, die mir, und denjenigen, die sich für mein musikalisches Treiben hier interessiren, der Empfang Ihres geehrten Schreibens bereitet hat. Sie haben schon mehr für mich gemacht, als sonst jemand in Deutschland und wenn es noch dazu käme, daß meine erste Oper durch Ihre gütige Mitwirkung in Cassel zur Aufführung1 gebracht werden könnte, wüßte ich gar nicht, wie ich Ihnen meine Dankbarkeit dafür ausdrücken sollte; denn, wie der Erfolg der Oper auch sein mögte, würde ich mich schon durch das Interesse, was Sie meiner Musik dadurch gezeigt hätten, höchst erfreut und befriedigt fühlen. Die Partie der Armilla liegt gewiß zu hoch für Stimmen die nicht ganz ungewöhnlich sind; ich wurde dazu veranlaßt durch eine hiesige Sängerinn, Dem. Irza(???), die eine unendliche Höhe hatte; aber ich fühle auch jetzt, wie schwer es sein wird, die Partie unverändert beizubehalten; es wird darum gewiß nöthig sein, die Partie auf manchen Stellen tiefer zu legen, und was Sie in dieser Hinsicht vornehmen werden, wenn es zu einer Aufführung der Oper kommen sollte, wird ja gut und zweckmäßig sein. Daß Sie die Oper für den Geburtstag des Prinzen2 freundlichst in Vorschlag zu bringen gedenken, ist mir sehr schmeichelhaft, und für den Erfolg von großer Wichtigkeit, weil eben diese Oper eine einigermaßen reiche Ausstattung nicht wohl entbehren kann.
So bald Sie die Güte haben werden, mich über die glückliche Entscheidung zu benachrichtigen, werde ich gleich eine Abschrift der Partitur in Arbeit setzen lassen; bis dann empfehle ich Ihrer Güte bestens eine Sache, wofür Sie schon so viel gemacht haben; danke Ihnen im Voraus für alle Arbeit und Mühe, die Ihnen meine gewiß schwere Musik geben wird, und zeichne, mich Ihrer verehrten Frau Gemahlin ergebenst empfehlend, mit einiger Verehrung, Ew. Wohlgeb. stets dankbarer und ergebener

J.P.E.Hartmann

Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Irza(???) (Sängerin)
Erwähnte Kompositionen: Hartmann, Johan Peter Emilius : Ravnen
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1841112743

http://bit.ly/2zfntq6

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Hartmann, 13.11.1841. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hartmann an Spohr, 24.01.1842.

[1] Hier gestrichen: „käme“.

[2] Den späteren Kurfürst Friedrich Wilhelm.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (03.11.2017).