Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr.
Wohlgeboren
dem Herrn
Herrn Kapellmeister Doctor L. Spohr
zu
Cassel

franco.


Geehrter Herr!

Nur im Vertrauen auf Ihre wohlwollende Gesinnung erlaube ich mir diese Zeilen an Sie abzusenden, indem mir wohl bekannt, wie oft Männer von so anerkannten Verdiensten durch Schreiben aus allen Gegenden der Erde in Anspruch genommen werden. Doch das Bewußtsein nach einem Richter der Kunst, welcher Sie so bedeutungsvoll geworden, nützlich zu sein, und die Ueberzeugung, daß Sie auch dem Künstler, wo Sie können, gerne förderlich sind, macht mich so kühn, Sie um die Gewogenheit zu bitten, wie es die freundlichen Zeilen unsres geschätzten F.W. Grund schon ansprachen1, meine Bewerbung als Professor der Musik an der Universität zu Edinburg durch einige empfehlende Worte zu unterstützen. Ich hoffe, daß Sie, verehrter Herr Kapellmeister, von meinen Bestrebungen in der Kunst gelegentlich Notiz genommen haben, indem mehrere Oratorien sowohl hier, und in Hamburg als auch in Berlin und andern Städten Deutschlands nicht ohne fremde Anerkennung gehört worden sind2, und es Ihnen so vielleicht möglich geworden ist, sich an meinem ernsten und aufrichtigen Bemühen, die Tonkunst in ihrer Reinheit zu lieben und zu pflegen, überzeugt zu halten.
Würde es Ihnen gefallen, die höfliche Bitte eines Ihnen persönlich Unbekannten zu gewähren, so würde ich mich Ihnen herzlichst verplichtet halten, und setze ich nun die Bemerkung hinzu, daß Sie durch einige warme, theilnehmende Zeilen, welche in England von Ihrer Hand nicht minder hochgeachtet werden, als in Deutschland, nicht allein dem Künstler, sondern auch dem Menschen einge Gefälligkeit erweisen, die gewiß für‘s ganze Leben nachhaltig bleiben wird.
Bevor ich das Schreiben schließe, erlauben Sie mir noch zu erwähnen, daß ich ein Schüler Clasings und später Zelters war, daß mich ein vielseitiger Schulunterricht mit manchen, sonst dem Tonkünstler fremd bleibenden Gegenständen des Wissens bekannt gemacht, und daß ich auch schon vielfach mich mit literarischen Arbeiten beschäftigt habe, demnach eine tüchtige Vorschule durchgemacht habe, um einer wohlwollenden Empfehlung von Ihnen, geehrter Herr, keine Verlegenheit zu bereiten.
Indem ich nochmals um Entschuldigung bitte, Ihnen durch dieses Schreiben lästig gefallen zu sein, grüße ich Sie in aufrichtiger Hochachtung und Verehrung

Geehrter Herr Kapellmeister
Ihr ergebener
Heinrich Elkamp

Hamburg den 6 October
1841

Erwähnte Personen: Clasing, Johann Heinrich
Grund, Friedrich Wilhelm
Zelter, Carl Friedrich
Erwähnte Kompositionen: Elkamp, Heinrich : Die heilige Zeit
Elkamp, Heinrich : Paulus
Erwähnte Orte: Berlin
Hamburg
Erwähnte Institutionen: Universität <Edinburgh>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1841100644

http://bit.ly/2rfCPFj

Spohr



Spohr beantwortete diesen Brief am 11.10.1841.
Auf diesem Brief befindet sich außerdem Spohrs Entwurf für das im Original derzeit verschollene Zeugnis, das seinem Antwortbrief beilag.

[1] Vgl. Friedrich Wilhelm Grund an Spohr, 06.10.1841, der diesem Brief offensichtlich beilag.

[2] Vgl. z.B. die Aufführungen von Paulus („Hamburg, d. 30. Dec. 1835“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 38 (1836), Sp. 29f.; „Hamburg“, in: Iris im Gebiete der Tonkunst 6 (1835), S. 200) und Die heilige Zeit („Hamburg“, in: Hamburger musikalische Zeitung 1 (1837), S. 17).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (30.05.2017).