Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,270

Frankfurt am 15 Nov 1840.

Theurer Freund!

Sie werden durch die Zeitungen erfahren haben, daß unsere Mozartstiftung ins Leben getreten u. die Concurenz für die Stipendiaten eröffnet ist.1 Sollten Sie nun in Cassel oder in der dortigen Gegend einen oder mehrere junge talentvolle Leute zu Anmeldung empfehlen wollen, so würde mir dieses sehr angenehm sein. Die jungen Leute müssen schon einige Vorkenntnisse in der Composition haben u. hauptsächlich productives Talent verrathen. Der Anmeldetermin ist am ersten Februar 1841 erloschen. – Der hiesige von Schelble gegründete Cäcilienverein scheint einer besseren Aera entgegen zu gehen. – Der bisherige Director Voigt, ist nach Hamburg gegangen und man hat an seiner Stelle den Director der Mainzer Liedertafel, Messer, einen Schüler Schelbles berufen.2 Der Verein hat sich durch seine sichere u. feurige Leitung offenbar gehoben und wird sehr lebhaft besucht. Es ist dieses ein sehr gutes Zeichen, denn der Widerstand gegen den schlechten Salon-Geschmack hatte hier schon ziemlich nachgelassen, u. das Theater hat dazu beigetragen, die lasterhafte neue italiänische Oper schmackhaft zu machen. Indessen hat die Aufführung der Iphigenia in Aulis eine wunderbare Sensation erregt. Das Hauß ist bei jeder Aufführung überfüllt, der Beyfall außerordentlich. Namentlich wird das letzte Quartett jedesmal wiederholt.3
Sind Sie denn Ihres gütigen Versprechens noch eingedenk, uns zum Besten unserer Stiftung eine kleine Composition zu überlassen? – Ihre baldigen Nachrichten sehr ich entgegen. – Die Meinigen, welche alle wohl sind, grüßen Sie herzlichst.

Von Herzen Ihr treuer
WmSpeyer.

Erwähnte Personen: Messer, Franz Joseph
Schelble, Johann Nepomuk
Voigt, Carl
Erwähnte Kompositionen: Gluck, Christoph Willibald : Iphigénie en Aulide
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Hamburg
Mainz
Erwähnte Institutionen: Cäcilienverein <Frankfurt am Main>
Liedertafel <Mainz>
Mozartstiftung <Frankfurt am Main>
Stadttheater <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840111532

http://bit.ly/1RTovZZ

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 24.05.1840. Spohr beantwortete diesen Brief am 03.12.1840.

[1] „Bekanntmachung und Einladung”, in: Jahrbücher des Deutschen Nationalvereins für Musik und ihre Wissenschaft 2 (1840), S. 327f.; „Mozart-Stitung. Bekanntmachung und Einladung”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 42 (1840), Sp. 774ff.; „[Der Verwaltungs ausschuß der Mozartstiftung in Frankfurt”, in: Neue Zeitschrift für Musik 13 (1840), S. 100

[2] Vgl. „Mainz, den 7. Oktober 1840”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 42 (1840), Sp. 894f.

[3] Vgl. „Frankfurt a.M.”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 42 (1840), Sp. 1074f., hier Sp. 1074; „Frankfurt”, in: Wanderer 27 (1840), S. 1036; „Frankfurt”, in: Adler 3 (1840), S. 2002

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.03.2016).