Autograf: Spohr Museum Kassel, Sign. Sp. ep. 1.2 <18401019>

Breslau d. 19 Octob. 40.

Hochgeehrtester Freund und Gönner!

Sehnlichst habe ich immer auf ein Briefchen von Ihnen gehofft, doch vergeblich, wahrscheinlich sind Sie wieder dringend beschäftigt. Diesmal schreibe ich im Namen unseres Künstlervereines, der Ihre 3ten Sinfonie in c moll bald geben will und wozu wir eine Partitur brauchen. Ihre 2te vor’m Jahre aufgeführte wurde aus den Stimmen in Partitur gesetzt, das ist aber sehr beschwerlich. Wir bitten Sie daher um baldige gütige Übersendung der Partitur, oder im anderen Falle um schleunige Nachricht mit nächster Post, da nicht viel Zeit übrig ist, dann muß sie doch aus den Stimmen geschrieben werden. Heute beginnen die Abonnementskonzerte mit Ihrer 5ten Sinfonie, die uns in den Proben königlich amüsirt, da ist Geist, Leben, Feuer und Arbeit darin. Lüstner wird Ihr „Sonst und jetzt“, das 9te Concert in d moll, und die Doppelkonzertante in a mit einem Schüler spielen, auch Schön übt das „Sonst und jetzt“ ein. Meine 5te Sinfonie ist bei Breitkopf in Stimmen und 4händig erschienen. Darf ich Ihnen vielleicht im Laufe des Winters einmal meine 4te in es senden? Mit meinem großen Rheinisch-Westphälischen Choralbuche, das ich in 4stimmige Harmonie bringen, Zwischenspiele und vor jedem Choral eine Einleitung komponiren muß, bin ich in einem Monate hoffentlich fertig, dabei habe ich mich recht im Kontrapunkt geübt. Auch schrieb ich ein Heft größerer Orgelstücke.
Jetzt, da die Jahreszeit wiederkehrt, wo ich vor einem Jahre zu Ihnen reiste, bekomme ich große Lust wieder dazu, das geht aber leider diesmal nicht.
Empfehlen Sie mich Ihrer werten Familie hochachtungsvoll, so wie Frau v. Malsburg etc. etc.
Ich bin, einer baldigen Nachricht von Ihnen hoffend entgegensehend

Ihr
Verehrer
Adolph Hesse

Die Partitur, im Falle Sie dieselbe uns senden, erhalten Sie, nach der der Aufführung und nachdem sie kopirt ist, sofort durch mich wieder zurück.



Der letzte Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 18.09.1840. Spohr beantwortete diesen Brief am 24.10.1840.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.04.2016).