Autograf: Spohr Museum Kassel, Sign. Sp. ep. 1.2 <18400918>

Breslau den 18t September
1840

Hochgeehrtester Freund und Gönner!

Überbringer dieser Zeilen ist Herr Musik-Director Lenz, ein sehr tüchtiger Instrumental-Komponist, der vor 2 Jahren das Glück hatte Sie in Leipzig bei Madame Vogt kennen zu lernen und spielen zu hören.1 Er ist ein Mann von seltener musikalischer Bildung, selbst Violinspieler und kennt Ihre Kompositionen fast noch genauer als ich, und das will viel sagen. Ihre neuesten Sachen für Violine und Piano hat er durch Schön und mich kennen gelernt; er würde sich sehr glücklich schätzen etwas von Ihnen zu hören, namentlich sind seine Lieblingssachen: Duo in g moll, Spanisches Rondo und „Sonst und jetzt“ mit 4 händiger Begleitung.
Ich habe es schon Manchem abgeschlagen, Empfehlungsbriefe an Sie mitzugeben, allein hier thue ich es mit Vergnügen, da Herr Lenz gewiß noch nach Jahren sich jeder einzelnen Strichart erinnern wird; und wer eben nicht fähig ist, nach langer Zeit noch im Nachgenusse bei genauer Einnerung alles Gehörten zu schwelgen, ist auch nicht werth Sie zu hören, hier aber werden Sie einen dankbaren Zuhörer haben. Da diese Zeilen erst nach einem Monate in Ihre Hände kommen, so erinnere ich Sie nicht, gütigst an mich einmal zu schreiben, da ich bis dahin gewiß längst einen Brief von Ihnen in Händen habe.
Empfehlen Sie mich Ihrer werten Familie und allen Bekannten hochachtungsvoll

In steter Verehrung
Ihr
ergebener
Adolph Hesse.

Es kehrt jetzt die schöne Zeit wieder, wo ich vor einem Jahr bei Ihnen war, hätte ich doch wieder eine neue Sinfonie gemacht, ich käme zu Ihnen.2

Erwähnte Personen: Lenz, Joseph
Schoen, Moritz
Voigt, Henriette
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Duos, Vl Kl, op. 95
Spohr, Louis : Rondo a la spanguola
Spohr, Louis : Sonst und Jetzt
Erwähnte Orte: Leipzig
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840091831

http://bit.ly/1qzg9yo

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 24.06.1840. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hesse an Spohr, 19.10.1840.

[1] Vgl. Marianne Spohr, Tagebucheinträge 28. und 29.09.1838.

[2] Vgl. Hesses Briefe an Spohr vom 28.10. und 21.11.1839.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (24.04.2015).