Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hamburg, 12/8 40

Sehr geschätzter Freund!

Das waren mir selige Tage! – Ihr Aufenthalt wird mir unvergeßlich bleiben. Ihr eben eingegangener Brief ist mir neuer Trost, ich lese in demselben doch so viel schon heraus: daß Sie sich nicht gelangweilt haben. Ja! das Wetter hat Wunder gethan & machte allerdings einen angenehmen Eindruck nachdem Sie vorher immer Regen hatten.
Hierbei sende ich Ihnen 2 Zeitungen, darin Berichte etc.1 – Sie sehen daraus wie sehr man Sie schätzt; hier die Geldmenschen wissen recht gut Gold zu schätzen.
Für die Originalschrift d. Sonate2 meinen besten Dank; die beigelegte Violinstimme ist kostbar bezeichnet – ich möchte sagen nun ist sie halbes Spiel.
Auf Ihre Empfehlung habe ich an Hrn. Schonger wegen Violinbögen geschrieben. Möchten Sie mir3 die außerordentliche Gefälligkeit erweisen & ein gutes Exemplar für meinen eigenen Gebrauch aussuchen? Ferner habe ich den Mann gebeten er möchte mir von seinen Bögen einen jeder Sorte in Commission beifügen. Ich will mich für den Absatz derselben interessiren, sie ankündigen; vielleicht daß ich einen hübschen Absatz für ihn erzielen kann. Der Mann verdient weiter empfohlen zu werden. Hr. Beer ist mit dankempfangenen Bogen sehr zufrieden, er hat mich beauftragt seine Schuld an ihn zu zahlen & ich habe es übernommen. Nach Empfang meines Bogens zahle ich den Betrag wegen Ersparung des Portos auf einmal zusammen. Sollte sich der Hr. Schonger ängstigen, so mögen Sie ihn gern beruhigen, denn er kennt mich noch nicht.
Couvert an Hrn. Obergerichtsadvocat von Schlemmer lassen Sie wohl gütigst abgeben.
Freund Schwenke habe ich heute sagen lassen daß ich an Sie schreibe, er möchte schicken wenn er etwas beizufügen & siehe da: er ist gekommen, hat um Aufschub gebeten & da habe ich ihm versprochen ich hätte bald wieder eine Sendung, denn etc.
Ihre Theaterarbeiten werden Sie vor der Hand bedeutend in Anspruch nehmen, aber deßhalb kann ich doch nichat unterlassen Sie zu bitten mich nicht zu vergessen, betreffend

24 tägl. Studien f. 1 Violine (und Begleitung einer 2ten)
Trio für Pianoforte, Violin & Violoncelle

Seyn Sie nicht böse daß ich gleich in meinem ersten Briefe so mit der Thüre ins Haus falle [Frau Kapellmeisterin Sie werden mir Ihren gütigen Schutz nicht versagen]4; wie soll ich's aber machen um Ihnen zu beweisen, wie sehr mir am Empfang dieser beiden Compositionen gelegen ist? Sie werden mir in meiner Lage auch schwerlich bessern Rath geben können als: Geduld! Geduld! – Ja! Geduld habe ich – aber bitte bitte schieben Sie die Wünsche der Hamburger nicht zu weit hinaus; – ich bin sonst rein unglücklich.
Für die beigelegte Arie5 meinen herzlichsten Dank. Auf Ihren Rath lasse ich dieselbe in g transponiren.
Hrn. Schaller habe ich das Manuscript behändigt – er läßt sich vielmals bedanken.
Ihrer lieben Frau Gemahlin nebst Schwägerin6 bitte ich mich bestens zu empfehlen. Mit der Bitte mir Ihr ferneres Wohlwollen zu erhalten,

zeichne ich mit wahrer Freundschaft
Julius Schuberth

Meine Frau grüßt Sie alle auf das Herzlichste, sie ist mit ihrem Briefe nicht fertig geworden.

Autor(en): Schuberth, Julius
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Beer, Johann Adolph Ferdinand
Schaller, Johann Nicolaus
Schlemmer, Christian von
Schonger, Joseph
Schuberth, Bertha
Schwencke, Johann Friedrich
Spohr, Marianne
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Sonaten, Vl Hf, op. 114
Spohr, Louis : Szene und Arie, WoO 79
Spohr, Louis : Trios, Vl Vc Kl, op. 119
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840081255

http://bit.ly/3nINwvs

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schuberth an Spohr, 19.09.1840.

[1] P.N., „Stadt-Theater“, in: Privilegirte wöchl. gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg 22.07.1840, S. 4 (zit. in: Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 253f.). Die zweite Zeitung ist noch nicht ermittelt.

[2] Vermutlich die zweite (op. 114) der drei bei Schuberth verlegten Sonaten für Violine und Harfe, da Schuberth bereits im Brief an Spohr vom 04.06.1840 meldete, dass die Korrektur der ersten Sonate (op. 113) abgeschlossen sei.

[3] „mir“ über der Zeile eingefügt.

[4] Ausdruck in Klammern am linken Rand eingefügt.

[5] WoO 79 (vgl. Schuberth an Spohr, 26.01.1841).

[6] Caroline Pfeiffer.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (13.01.2021).