Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,182

Sr. Wohlgeb
Herrn Wilhelm Speyer
in
Frankfurt a/m


Cassel den 24sten
Mai 1840.

Geliebter Freund,

Sie werden wohl schon gehört haben, daß ich die Direction des diesjährigen Rheinischen Musikfestes übernommen habe. Den Urlaub dazu hat zwar das Comitée im Voraus mit der dortigen Regierung beym Prinz ausgewirkt; er ist aber wieder wie der vorjährige zur Reise nach England so knapp ausgefallen, daß ich mit jeder Stunde geizen muß.
Doch werde ich den Umweg über Frankfurt machen, um Sie und die lieben Ihrigen nach so langer Zeit einmal wieder zu sehen und um meiner Frau, die nie am Rhein war, den Genuß einer Rheinfahrt zu verschaffen. Leider kann ich aber nur einen halben Tag in Frankfurt verweilen und da dieß am Sonntag ist, so schreibe ich Ihnen im Voraus, damit wir Sie nicht etwa verfehlen. Wir werden von hier Sonnabend den 30ten abreisen, in Gießen übernachten und daher am Sonntag 1-2 Uhr Mittags in Frankfurt eintreffen. Da Sie in der Nähe des Schwans wohnen, so werde ich, wie gewöhnlich, dort einkehren. Was dann in Frankfurt anzufangen seyn wird, darüber werden wir Ihre Verschläge hören. Doch muß ein Besuch bey Herrn Finanzrath Louis Harnier, dem Onkel meiner Frau darin mit aufgenommen seyn, da sie sich sehr freut, Ihren Verwandten wieder zu sehen, besonders ihre Cousine, die Tochter des Genannten. Wir bitten daher auch, daß Sie die Güte haben wollen, sie von unserm Besuch im Voraus in Kenntniß zu setzen. Am Montag früh muß ich dann die Reise fortsetzen. Hat man auf der neuen Eisenbahn schon die Einrichtung für den Wagentransport, so gehe ich auf dieser, außerdem mit Postpferden. Sie hätten vielleicht die Güte sich danach zu erkundigen.
Morgen Abend und wahrscheinlich auch Mittwoch geben die Müllers hier Quartettsoiréen, dann werde[n] sie Frankfurt besuchen und auch zur Mitwirkung nach Aachen kommen.
Doch genug; über alles andre mündlich das weitere!
Herzliche Grüße an die lieben Ihrigen.
Mit wahrer Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Harnier, Louis
Müller, Georg
Müller, Gustav
Müller, Karl (Vater)
Müller, Theodor
Schunk, Elisabeth
Spohr, Marianne
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Aachen
Frankfurt am Main
Gießen
Erwähnte Institutionen: Niederrheinische Musikfeste <verschiedene Orte>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840052402

http://bit.ly/1YD2ilE

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 12.11.1839. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Speyer an Spohr, 15.11.1840.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.03.2016).