Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287


Gandersheim den 1ten Mai 1840.

Hochwohlgeborner Herr!
Hochgeehrtester Herr Capellmeister!

Bei Ihrer letzten Anwesenheit in Gandersheim1 erlaubte ich mir Sie um meine fernere Ausbildung im Violinspiel zu bitten.
Ihre Genehmigung dazu war mir ein Zeichen Ihres Wohlwollens und eine hohe Freude; um so schmerzlicher empfinde ich jetzt die Erklärung meiner Eltern, dass sie außer Stande seien, mir zu diesem Unternehmen die erforderlichen Mittel zu reichen und ich nur auf geringe Unterstützung von ihrer Seite zählen dürfe. Hoch schmerzlicher fühle ich meine Lage, da ich glaube im Violinspiel Fortschritte gemacht zu haben, die unter Ihrer vortrefflichen Leitung auf noch erfreulichere schließen ließen und mich endlich in Stand setzen könnten, zum Ziele meines Strebens zu gelangen. Ich bitte Sie daher hochgeehrtester Herr Capellmeister, sich meiner mit Rath und That gütigst anrufen u zu meinem Wohle beitragen zu wollen.
Höchst lieb wäre es mir, wenn sich im dortigen Orchester ein Platz für mich fände, von dessen, wenn auch noch so kleine Einnahme ich die nothwendigen Bedürfnisse befriedigen könnte, da meine Ansprüche die bescheidendsten u Bedürfnisse gering sind.
Vielleicht könnten Sie sich in mir für Ihr Orchester einen tüchtigen Violinisten erziehen, da ich früher die Viola dort gespielt habe und dazu ein Spieler gehört, der mit allen Feinheiten des Violinspiels hinlänglich vertraut ist.
Indem ich mich nur ganz Ihrem Wohlwollen hingebe u mit Vertrauen auf Sie hoffe, bin ich mit unauflöslicher Verehrung u Hochachtung
Ihr gehorsamter Diener

F. Böhme.

Autor(en): Böhme, Ferdinand
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Gandersheim
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840050140

http://bit.ly/3kFDrOP

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Böhme an Spohr, 08.04.1838. Spohrs Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Wohl im Juli 1839 (vgl. Spohr an Wilhelm Speyer, 14.06.1839).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.09.2020).