Autograf: letzter Nachweis siehe Inhaltsangabe 2
Druck: Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 256f.
Inhaltsangabe 1: Autographen-Sammlung enthaltend Musiker-Briefe und Musik-Manuskripte aus dem Nachlasse des berühmten Komponisten Louis Spohr (1784-1859) nebst Beiträgen allerArt (Fürsten,Staatsmänner, Dichter, Gelehrte, Künstler, etc.) aus dem Besitz eines bekannten Berliner Sammlers. Versteigerung zu Berlin Montag, den 15. und Dienstag, den 16. Oktober 1894 (= Katalog Liepmannssohn), Berlin 1894, S. 3
Inhaltsangabe 2: Historische Autographen aus Nachlaß Cornelius Meyer und anderem Berliner Privatbesitz (= Katalog Henrici 93), Berlin 1924, S. 32.

Hochgeschätzer Hofkapellmeister! Ich kann nicht umhin, mein Herz und meine Seele sind zu voll, ich muß dem Schöpfer jenes Tonwerkes, welches das Tiefste meiner Seele bewegte und hoch beseligte, Worte der reinen Bewunderung und des wahrsten Dankes zusenden. Mein Hofkapellmeister Täglichsbeck hat mich durch die immer für eine kleine Kapelle wahrhaft gelungen zu nennende Aufführung des Tongeämäldes „Die Weihe der Töne“ in Form einer Symphonie herrlich überrascht. Dank Ihnen, dem deutschen Manne, unserm Spohr, der des schönen Gedichtes Geist und Sinn eben so warm als wahr in die Sprache der Tonkunst verwirklichte! - Das Tongemälde ist wahrlich trefflich zu nennen, das ganze Sein des Erdenpilgers ist treu wieder gegeben, es bildet unser ganzes Leben, somit bald Schatten, bald Licht. Die Mutter Natur entfaltet sich zuerst als Chaos, leblos, todt. Doch nicht lange und der Urgeist giebt Leben, und wir sehenuns versetzt nach Arkadien in‘s idyllische Leben, bald dringt eine Ahnung eines besseren Seins in die menschliche Brust man hört der Mutter Freuden, des Jünglings heiße Liebe, das muntere Treiben der fröhlich heiteren, jugendlichen Welt; doch bald umstaltet sich dies ächt irdische Glück, man hört der Trompeten Schall, Schlachtgesang, Krieg, Wunden, Schmerz erfolgen, alsdann der Trost, Sieg, Frieden, Dank und Lob dem Herrn, endlich Scheiden vom Irdischen, Grabgesang, Seligkeit in jenen besseren Regionen. Der letzte Satz übertrifft wo möglich Alles, und man wähnt sich zu fühlen in jenen Räumen, in jenem ewigen Blau, abschüttelnd der Erde Schmerzen, der Erde Staub! - Verzeihen Sie, hochgeschätzter Hofcapellmeister, daß ich meinem Herzen, meinen Gefühlen hier Luft mache, aber es kommt treu von der Seele und hofft in dem warmen Herzen unseres Spohr gern Wiederklang zu finden. Ihr ergebener
Fr. V. C., Fürst zu Hohenzollern-Hechingen.

Erwähnte Personen: Täglichsbeck, Thomas
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die Weihe der Töne
Erwähnte Orte: Hechingen
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Hechingen>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840032447

http://bit.ly/2KZfOzn

Spohr



Der letzte belegte Brief dieser Korrespondenz ist Fürst Friedrich Wilhelm Constantin an Spohr, 15.10.1839. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Fürst Friedrich Wilhelm Constantin an Spohr, 06.05.1845.
Die Zuordnung des undatiert abgedruckten Brieftextes zu diesem Brief folgt mit den Inhaltsangaben laut Auktionskatalogen: „Ein in den Ausdrücken glühender Begeisterung abgefasstes Dankschreiben für den Genuss, den ihm die Aufführung von Spohr‘s „Weihe der Töne“ verschafft hat.“ (Inhaltsangabe 1) bzw. „An Louis Spohr mit begeisterungsvollen Aeusserungen über dessen Sinfonie: Die Weihe der Töne“ (Inhaltsangabe 2).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.07.2018).