Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Hochgeborner Herr!
Hochgeehrter Herr Kapellmeister!

Die Tonkunst hat in Ihnen einen der grössten Meister zu ehren, den Ihr ausgebreiteter Ruf ist nicht allein in Ihren Vaterland annerkannt, sondern erstreckt sich über das ganze cultivirte Europa, ein jeder Sänger der Kunst, fühlt hohe Achtung und Bewunderung, und strebt dem Vorbilde dem Sie gaben, möglichst nachzufolgen, um der wahren Kunst nachzufolgen, und dem immer mehr Zunehmenden schlechten Zeitgeist suchen zu verbannen.
Ihre anerkannte Güte und Bereitwilligkeit um junge Künstler, welche die rechte Bahn der Kunst einschlagen, Ihnen wohlwollenden Rath und Beistand zu kommen zu lassen, macht mich so frey, Ihnen bitten zu wollen, die beikommenden Musikstücke, im Fall Sie dieselben würdiggen, einer gütigen Ansicht angedeihen zu lassen, und mir Ihren gütigen Rath und Urtheil über diese Stücke zu kommen zu lassen. Sollte sich eines dieser Werke einer geringen Auszeichnung von Ihrer Seite zu erfreuen haben, oder sollten Sie vielleicht hie und da Stellen einfinden welche sich Ihres so schätzenden Beifalls erfreuen mögten, so würde es mir höchst angenehm sein, woll(???) das Urtheil von einem Manne, der mit so ausgezeichnetem Talente die bescheidenste Menschenfreundlichkeit verbindet, zu erhalten.
Indem ich diese meine Werke Ihnen ergebenst übersende, hege ich keinen andern Wunsch, als daß dieselben sich einer gütigen Aufnahme erfreuen mögen, und am angenehmsten sollte es mir sein, wen diese ehrenvolle Aufnahme meinem Quartette Zu Theil werde, welches ich wahrscheinlich Zum Druck befördere, und daß meine Arbeit sich des geringsten Zeichen Ihres Schätzenden und beehrenden Beifalls erfreuen mag.
In der Hoffnung daß diese meine ergebene Bitte von Ihnen gütigst erfüllt werden mag, und mir balde Ihre geehrte Antwort Zu Theil werde, habe ich die Ehre mich in Versicherung meiner hohen Achtung und Bewunderung Zu nennen

Herr Kapellmeister!
Ihr ganz ergebenster Diener
A. Berlyn

Amsterdam den 5. März 1840

Adresse: Heeregracht over‘t park. Nr 35
te amsterdam.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1840030544

http://bit.ly/2GavJbF

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Berlijn, 07.06.1839. Spohr beantwortete diesen Brief am 09.04.1840.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.03.2018).