Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 2° Ms. mus. 1500[Sp. 75,37
[Beleg 1: A Collection of Choice Manuscripts, Incunables, Books of Hours, Maps Music Autographs, Woodcut Books. In commemoration of the 50th anniversary of Ludwig Rosenthal‘s Antiquarian Book store (= Katalog Rosenthal 130), München 1909, S. 42]
Beleg 2: Handschriften & Miniaturen aus Europa, Asien und Afrika VIII.-XIX. Jahrhundert (= Katalog Rosenthal 155), München o.J., S. 68
Beleg 3: Josef Viktor Widmann und kostbare Musik-Autographen und -Manuscripte, z.T. aus den Nachlässen von Felix Mottl und A.W. Gottschalg (= Katalog Liepmannssohn 41), Berlin 1913, S. 124

Cassel den 26sten
März 1839

Wohlgeborner Herr,

Beykommend überschicke ich Ihnen den Brief, den ich gestern aus Prag in Ihrer Angelegenheit erhalten habe.1 Sie ersehen daraus was man Ihnen anbietet und was man für Dienste dafür verlangt. Überlegen Sie sich nun die Sache reiflich mit Benutzung des Raths Ihrer dortigen Freunde und Gönner und antworten Sie dann dem Herrn Kinderfreund selbst. (Es bedarf keiner weiteren Adresse als seines Vor- und Zunamens.) Herr Kinderfreund ist mir seit meiner Reise vor Jahren, als ein rechtlicher und zuverlässiger Mann bekannt, auf dessen Zusage Sie bauen können. Auch will ich, wenn Sie die Stelle annehmen, Ihnen eine Empfehlung an einen meiner besten Freunde, einen Kunstgelehrten in Prag mitgeben2, der Sie schützen würde, im Fall man Ihnen zu nah träte, was ich jedoch im geringsten nicht befürchte. – In weiterer Verständigung des Antrags des Herrn K. noch folgendes: die Gulden, von denen er spricht, sind Conventionsgulden (drei Zwanziger,)3 und in Österreich schon überhaupt, besonders aber in Prag (wo es selbst im Wirtshause wohlfeil ist) eben so viel als ein Preußischer Thaler in unserer Gegend. Ferner ist Prag eine große, sehr volkreiche und reiche Stadt und bekanntlich die musikalischte in ganz Deutschland, wo ein talentvoller und fleißiger Künstler nicht blos sein Auskommen, sondern noch Gelegenheit zu weiterer Ausbildung nothwendig finden muß.
Die Anfrage des Herrn Kinderfreund wegen eines Violoncellisten für sein Musikinstitut theilen Sie doch dem Herrn Concertmeister Knoop mit, und kann dieser dazu jemand empfehlen, so melden Sie doch dieses dem Herrn K. in Ihrer Antwort.
Den Herren, die mich mit Ihren Zuschriften4 erfreut haben, meine herzlichsten Grüße!
Mir wahrer Theilnahme

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Grund, Eduard
Kinderfreund, Carl Joseph
Kleinwächter, Ignaz
Knoop, Gustav
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Prag
Erwähnte Institutionen: Musikschule Kinderfreund <Prag>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1839032610

http://bit.ly/2djKH3r

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Happ an Spohr, 04.03.1839. Der nächste belegte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Happ, 01.04.1839.

[1] Noch nicht ermittelt.

[2] Vermutlich Louis Kleinwächter.

[3] Vgl. [Wilhelm Hebenstreit], Der Fremde in Wien und Der Wiener in der Heimath. Vollständiges Auskunftsbuch für den Reisenden nach Wien, und während seines Aufenthalts in der Residenz; auch genaue Anzeige alles dessen, was in Wien sehenswerth und merkwürdig ist, für den Fremden und Einheimischen, 2. Aufl., Wien 1832, S. 4.

[4] Dem Vorbrief lagen Eduard Grund an Spohr, 04.03.1839 und Gustav Knoop, 06.03.1839 bei.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (01.10.2016).