Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,266
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 203 (teilweise)

Frankfurt am 10 Decemb 1838.

Theurer Freund!

Die beifolgende Composition der Mad Filipowicz nebst einem Brief an Sie1 habe ich zur Besorgung von Schnyder übernommen. Das Schreiben an Schnyder ist sehr interessant und rührend, namentlich äußert sie sich in den wärmsten Ausdrücken über Ihren früheren Unterricht u. verdankt demselben ihre jetzige Existenz. – Im Januar wird im Theater ein Konzert für die Mozartstiftung gegeben, welches statutenmäßig jedes Jahr statt finden muß. Da die von Guhr arrangierten Konzerte in der Regel icht viel Interessantes bieten, u. das hiesige Publikum darum diese Konzerte schlecht besucht, so bedarf es eines eigenen Reitzes, um eine gute Einnahme zu erlangen. – Wir haben nun die Absicht ein Conzert in 4 Abtheilungen zu geben, die stufenweise Entwicklung der Tonkunst andeutend. In der letzten Epoche, also in der 4ten Abtheilung soll eine Komposition von Ihnen aufgeführt werden, u. es wäre mir sehr lieb, von Ihnen selbst zu hören, was Sie zum Vortrag wünschten. Chöre mit gemischten Stimmen sind ausgeschlossen; alles übrige Instrumentalstücke, Solis bis zum Septett für gemischte Stimmen, Kammermusik u. Chöre für Männerstimmen können berücksichtigt werden. Auch habe ich noch ein Bitte. Wir wünschten nämlich den Chor der 40 Räuber aus Alibaba von Cherubini (ein Stück das hier noch nicht gehört worden ist) aufzuführen. Hätten Sie wohl die Güte mir zu diesem Behuf Paritur und Stimmen dieser Oper zuzusenden. Wir würden dieses mit dem größten Dank erkennen. Allein die Uebersendung müßte sehr bald geschehen, da die Proben u. das Ausschreiben der Stimmen viel Zeit erfordern und das Concert im Januar vor sich geht. – Ueberhaupt würden Sie mich verbinden, durch Mittheilung einiger Ideen, das Repertoire der ältern Abtheilungen betreffend. Wir haben zwar einige Partituren von Lully u. Rameau, aber sonst nichts was sich zur Aufführung eignete. Geben Sie mir einige Gedanken über unser Vorhaben aus dem Schatzkästlein Ihrer musik. Kenntnisse und Erfahrung. – Das Capital unserer Stiftung ist übrigens beinahe f 7000. u. alles verspricht, daß das Stipendium recht bald vergeben wird.
Erfreuen Sie mich mit einer baldigen günstigen Antwort. Die herzlichsten Grüße von uns allen.

Ihr treu ergeb.
WmSpeyer.

Erwähnte Personen: Filipowicz, Elisabeth
Guhr, Carl
Lully, Jean-Baptiste
Rameau, Jean-Philippe
Schnyder von Wartensee, Franz Xaver
Erwähnte Kompositionen: Cherubini, Luigi : Ali Baba
Filipowicz, Elisabeth : Fantasia on Polish airs
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen: Mozartstiftung <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838121032

http://bit.ly/1Xeyf2v

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Speyer, 21.09.1838. Spohr beantwortete diesen Brief am 27.10.1838.

[1] Elisabeth Filipowicz an Spohr, 24.09.1838.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.03.2016).

Frankfurt, 10. Dezember 1838.

... Im Januar wird im Theater ein Konzert für die ,Mozartstiftung’ gegeben, welches statutenmäßig jedes Jahr stattfinden muß. Da die von Guhr arrangierten Konzerte in der Regel icht viel Interessantes bieten und das hiesige Publikum darum diese Konzerte schlecht besucht, so bedarf es eines eigenen Reizes, um eine gute Einnahme zu erzielen. Wir haben nun die Absicht ein Konzert in vier Abteilungen zu geben, die stufenweise Entwicklung der Tonkunst darstellend. In der letzten Epoche soll eine Komposition von Ihnen aufgeführt werden und es wäre mir sehr lieb von Ihnen selbst zu hören, was Sie zum Vortrag wünschten ... Überhaupt würden Sie mich verbinden durch Mitteilung einiger Ideen das Repertoire der älteren Abteilungen betreffend. Wir haben zwar einige Partituren von Lully und Rameau, aber sonst nichts was sich zur Aufführung eignet. Geben Sie mir einige Gedanken über unser Vorhaben aus dem Schatzkästlein Ihrer musikalischen Kenntnisse und Erfahrung.