Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Dresden, d. 12 Septbr. 1838.

Hochverehrter Herr!

Indem ich Ihnen für Ihr geehrtes Schreiben v. 2 ds. meinen verbindlichsten Dank abstatte, bedauer ich recht sehr, daß Sie nicht geneigt sind, jetzt noch ein Duo zu schreiben. Obschon ein Quintett ein viel kleineres Publikum findet, (denn es ist wahrscheinlich sehr schwer) so würde ich doch, um nur ein Werk von Ihnen im Verlage zu haben, Ihr gütiges Anerbieten annehmen, wenn Sie geneigt wären, das Honorar zu ermäßigen. Die Druckkosten sind jetzt, wo alles schön u. elegant ausgestattet werden muß, ebenfalls sehr bedeutend, und wenn es auch gar nicht auf baldigen Gewinn dabei abgesehen ist, so will doch der Verleger auch nicht gern zusetzen. - Würden Sie nun, verehrter Herr Kapellmeister, einmal von Ihrem Satze abgehen, und mir das Quintett für ein Honorar von 100 Rth überlassen, so würden Sie mich dadurch unendlich beglücken! - Es kann ja natürl. nicht die Rede davon sein, ein Werk aus Ihrer Feder nach Gelde anschätzen zu wollen, aber ich sollte meinen 100 Rth wär doch immer ein anständiges Honorar!
Wäre ich ein reicher Mann, ich würde mir ein Vergnügen daraus machen, den verlangten Betrag augenblicklich zuzusagen, aber ich kann meine Verehrung für Ihre Werke leider nicht so durch das Honorar an d. Tag legen als ich mir wünschte. - Können u. wollen Sie mir nun die Freude machen, dieses Werk für die bezeichnete Summe zu überlassen, so würde ich Ihnen dieselbe augenbl. nach Ihrer Zusage übermachen. Für die strengste Correctur u. einer dem Werke würdige Ausstattung, sorge ich dann aufs beste.
Ich sehe Ihrer (hoffentlich nicht abschlägigen) Antwort erwartungsvoll entgegen, und empfehle mich Ihrem Wohlwollen
mit der größten Hochachtung

Ew. Wohlgeboren
ergebenster
Wilhelm Paul

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Quintette, Vl 1 2 Va 1 2 Vc, op. 106
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838091226

http://bit.ly/2H0pve9

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Paul, 02.09.1838. Der nächste erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Paul, 28.01.1840.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (30.05.2018).