Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,265
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 183f. (teilweise)

Frankfurt am 10 September 1836.1

Theurer Freund!

Hierbei übersende Ich ihnen als eine Huldigung des Liederkranzes ein Ehrendiplom.2 Möge es Ihnen ein zwar schwaches Zeichen sein, wie sehr wir Ihnen verpflichtet sind. Der Eindruck den die vortreffliche Durchführung Ihres Vater unser gemacht, wird immer unter uns fortleben. Diese Aufführung war wahrhaft überraschend schön u. von niemanden so geehrt(?). Darüber wird Ihnen Herr Wiegand von dort gehörig referirt haben. Uebrigens war das Resultat des Festes in jeder Beziehung überaus erfreulich. Es wird Ihnen schon bekannt sein, daß wir den Ertrag der beiden Konzerte nebst den freiwilligen Beiträgen für ein dauerndes Mozartdenkmal bestimmt haben.3 Ein Stipendium für unvermögende, hervorragende Talente wird gegründet, aus dem später ein musik. Conservatorium hervorgehen soll. Jünglinge aus allen deutschen Landen sind dazu berechtigt. Dieses Institut kann einst Segen bringen und wird hoffentlich auch dazu beitragen einen Damm gegen die Ueberflutung des schlechten Theater-Musik-Geschmacks zu bilden. Bis jetzt, also wenige Wochen nach dem Feste sind wir schon so glücklich, über f 5000 für die Mozartstiftung zu besitzen und haben die Zusicherung von mehreren Städten daß Aufführungen zum Besten der Stiftung stattfinden. Auch André in Offenbach giebt den Clavierauszug der zurückgelassenen Mozartschen Oper: Zaide heraus und wendet der Stiftung einen Teil der Einnahmen zu. – Vielleicht finden Sie auch Gelegenheit sich dem jungen Institut geneigt zu zeigen, dies würde schon deshalb von unendlichem Nutzen sein, weil Ihr Beispiel belebend und ermunternd einwirken müßte u. die Autorität Ihres Namens Nacheiferung erzeugte.

12. Sept.

Am Schluß dieses Briefes empfange ich Ihr Schreiben vom 10. d. Die Partitur des Vater unser folgt anbei; wegen der Arie von Mozart habe ich sogleich nach Offenbach geschrieben, u. wie ich sie erhalte, gehet alles an Sie ab. – Wäre es denn nicht möglich, wenn auch nur ein kleiner Theil Ihres Mozart-Denkmal-Concerts der Stiftung zuzuwenden? Es ist nur wegen des Beispiels. Von Herzen stets Ihr treuer WmSpy.

Erwähnte Personen: André, Johann Anton
Wiegand, Johann
Erwähnte Kompositionen: Mozart, Wolfgang Amadeus : Arien, Sopran Kl Orch, KV 505
Mozart, Wolfgang Amadeus : Zaide
Spohr, Louis : Vater Unser, WoO 70
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen: André <Offenbach>
Liederkranz <Frankfurt am Main>
Mozartstiftung <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838091032

http://bit.ly/1MSa7xb

Spohr



Die Nachschrift dieses Briefs ist die Antwort auf Spohr an Speyer, 10.09.1838. Spohr beantwortete diesen Brief am 21.09.1838.



[1] Offensichtlicher Schreibfehler Speyers; richtig 1838.



[2] Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Frankfurter Liederkranzes, 12.09.1838, in: Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 2° Mus.1500, Sp. 10, 6.

[3] Vgl. „Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main”, in: Frankfurter Jahrbücher 12 (1838), S. 279ff.; „Mozart-Stiftung”, in: Frankfurter Ober-Postamts-Zeitung 10.09.1838, nicht paginiert

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (10.03.2016).

Frankfurt, 10. September 1838.

Heute übersende Ich ihnen als eine Huldigung des ,Liederkranzes’ ein Ehrendiplom. Möge es Ihnen ein, wenn auch schwaches Zeichen sein, wie sehr wir Ihnen verpflichtet sind ... Übrigens war das Resultat des Festes in jeder Beziehung überaus erfreulich. Es wird Ihnen schon bekannt sein, daß wir den Ertrag der beiden Konzerte nebst den freiwilligen Beiträgen für ein dauerndes Mozartdenkmal bestimmt haben. Ein Stipendium für unvermögende, hervorragende Talente wird gegründet, aus dem später ein musikalisches Konservatorium hervorgehen soll. Jünglinge aus allen deutschen Landen sind dazu berechtigt. Dieses Institut kann einst Segen bringen und wird hoffentlich auch dazu beitragen, einen Damm gegen die Überflutung des schlechten Theatermusikgeschmacks zu bilden. Bis jetzt sind wir schon so glücklich, über fünftausend Gulden für die ,Mozartstiftung’ zu besitzen und haben die Zusicherung von mehreren Städten, daß Aufführungen zum Besten der Stiftung stattfinden sollen. Auch André in Offenbach gibt den Klavierauszug der zurückgelassenen Mozartschen Oper ,Zaide’ heraus und wendet der Stiftung einen Teil der Einnahmen zu. Vielleicht finden Sie auch Gelegenheit sich dem jungen Institut geneigt zu zeigen. Dieses würde schon deshalb von unendlichem Nutzen sein, weil Ihr Beispiel belebend und ermunternd wirken und die Autorität Ihres Namens Nacheiferung erzeugen würde ...