Autograf: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (D-Dl), Sign. Mscr.Dresd.App.42,4

Sr. Wohlgeboren
An Herrn Dr. L. Spohr
in Cassel


Hochgeehrter und werthester Freund!

Ihre freundlichen Grüße aus Carlsbad haben mir ungemein wohlgethan, denn Sie geben mir dadurch einen Beweis Ihres für mich so ehrenvollen Andenkens, ja vielleicht Ihrer Achtung und freundlichen Gesinnung gegen mich, nach welcher ich unaufhörlich strebe. Aus diesem Grunde allein bin ich so frei gewesen Ihnen eine Ouverture zu widmen. Die Musiker vom Fach versichern, daß ich, mir in der von Ihnen geliebten Yelva-Ouverture, und meinen Orchesterarbeiten überhaupt, so auch in dieser Ouverture ganz zu Ihrem Fache(?) gehöre. Das kann nicht anders seyn; ich habe mich stets dem größten deutschen Meister Spohr angeschloßen und hoffe ihm mit meinen schwachen Kräften gern gegen alles Flitterwerk und scheinbar Werthe ankämpfen. Stehe ich Ihnen meinem [???] nach auch sehr fern, so zieht mich doch meine Individualität u. mein Gefühl zu Ihnen hin, und ich kann ja nur geben, was in mir ist u. was mir Gott verliehen hat. – So glaube ich Ihnen jetzt etwas Gutes zu geben und es ist mir ein süßes Gefühl durch diese Dedication vor der Welt auszusprechen wie sehr ich Sie liebe und verehre. Möchte ich Ihnen dadurch nicht ganz mißfallen. Von ganzem Herzen

Ihr
Sie verehrender
CGReißiger.

Dresden, d. 21. Aug. 38.

PS. Ihre Jessonda habe ich mit der Grosser von Prag neu einstudirt und gestern zum zweitenmal höchst gelungen aufgeführt. Der Beifall war natürlich nach jeder Nummer außerordentlich u. nach beiden Aufführungen [???] Alles [???].

Erwähnte Personen: Großer, Henriette
Erwähnte Kompositionen: Reißiger, Carl Gottlieb : Ouvertüren (Spohr gewidmet)
Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Dresden
Karlsbad
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Dresden>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838082144

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Spohr