Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

An Hochwohlgeboren der
großh.1 sächs.2 cass. Capellen-
Meister Herrn
Spohr
in
Cassel

frey.3


Hochzuverehrender Herr Lehrer!

Ich habe Unrecht gethan, Sie von meiner bisherigen Lage nicht in Kenntniß zu setzen, da mir doch als Ihrem Schüler diese Pflicht oblag, und ich glaube nur durch meine zu sehr beschränkte Zeit Entschuldigung finden zu können.
Der Wille meines Vaters war es schon längst, daß ich, um vollkommen wissenschaftlich gebildet zu seyn, mich nebst dem Studium der Musik, der Philosphie widmen solle.
Ich sah auch ein, daß man, um hinlänglich als ein wahrer Künstler bestehen zu können, diese Wissenschaft nicht entbehren dürfe. Ich gieng hieher, um diese meine Absicht auszuführen; Es stand mir aber jetzt eine gesetzliche Bedingung entgegen, indem niemand in Bayern Zutritt zu einer Universität erhalten könne, der nicht ein ganzes jahr den untern philosophischen Curs besucht habe;
Unter gewissen Verhältnissen könne das Ministerium ein halbes Jahr erlassen; diesen Weg glaube ich nun einschlagen zu müssen, indem mir auf diese Weise, da man vorschriftsmäßig täglich fünf Stunden das Lyceum besuchen muß, bey großem Fleiße es möglich seyn wird, mein Fachstudium nicht zu vernachläßigen, während meine Ausdauer für ein ganzes Jahr ermüden könnte. Es entgehen mir aber hierbey mehrere Zeugnisse, die mein Anwalt dem Ministerium vorlegen zu müssen versicherte, ohn diese könne er nichts für mich thun, auch müsse ich diese binnen der kürzesten Zeit beybringen, indem sonst das zweyte Semester beginnen, und diese für mich dann verloren seyn würde. ich will um E. Hochwohlgeb. gütigsst gebeten haben, wo möglich umgehend dieses Zeigniß, da dasselbe wenigstens in vierzehn Tagen dem Ministerium vorliegen muß, meinem Vater in Mellrichstadt zu übersenden, indem es mir denn in der kürzesten Zeit und am sichersten zugestellt werden wird; Auch bitte ich, ich habe mir zwar oft durch häufige Nachläßigkeit und Leichtsinn Ihren Unwillen zugezogen, dieses Zeigniß, da es dem Ministerium vorgelegt und ganz besonder zu einer günstigen Entscheidung beytragen wird, gut auszustellen, und mein begangenes Unrecht einestheils meiner Jugend zuzuschreiben.
Mit der Bitte, auf die dergraden(???) Umstände gütigst Rücksicht nehmen zu wollen, verbleibe ich mit der freudvollen Hoffnung, meinen theuren Lehrer auf dem Musikfeste in Frankfurt zu sehen, mit ausgezeichneter Hochachtung

E. Hochwohl.
Gehorsamster Schüler
A. Reder.

Würzburg den 25sten März 1838.


Hochwohlgeborner Hochzuverehrender
Herr KapellenMeister

Ich bitte Sie meinem Sohn Anton das Zeigniß des Musikstudiums unter Ihrem Unterrichte gefälligst auszustellen, der es sehr nothwendig zu seinem weitern Fortkommen bedarf, und mir dasselbe in Balden zu stellen zu lassen. Sie werden doch den letzten Rest der Zahlung für die ertheilten Unterrichts Stunden erhalten haben? Mich nochmal für Ihre viele Bemühungen bedankend
bestehe unter größter Hochachtung

Herrn KapellenMeister
ergebenst gehorsamster
DrReder.

Mellerichstadt am
30 Merz 1838

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838033040

http://bit.ly/37TUQgB

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Reder an Spohr, 01.10.1836. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Anton Reder an Spohr, 24.07.1838.

[1] Sic!

[2] Sic!

[3] Adresse wohl von der Hand Franz Reders. - Auf dem Adressfeld befinden sich die Poststempel: „Mellerichstadt / 30 / 3“, „Meiningen / 30 MART 1838“ sowie „[2] APR [???]38“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (03.02.2020).