Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr-Correspondenz 1,78

Wohlgeborner Herr, Verehrter Meister!

Die Freundlichkeit, womit Sie vor einigen Jahren sich mir zu nähern die Güte hatten, als Sie mit Ihrem höchst angenehmen Besuche in meiner Wohnung mich beehrten, gab mir den Muth, Ihnen verehrter Meister eines meiner jüngsten Kinder zuzueignen.
Dieses Kind ist meine ernste Ouvertüre Nro 6 welche bereits erschienen ist. Obgleich eine verzeihliche Blindheit dem Vater erlaubt, zu glauben, daß sein Kind kein unangenehmes sei, so fühlte ich doch lebhaft, wie nöthig es sei, demselben einen guten Empfehlungsbrief mit auf die Reise zu geben und da ich keinen Namen in der musikalischen Welt kenne, der einen besseren Klang als der Ihrige hätte, so hoffe ich Entschuldigung bei Ihnen zu finden.
Ja ich muß doppelt um Entschuldigung bitten indem ich so frei war Ihnen die bemerkte Ouverture zuzueignen ohne gegen die Erlaubniß eingeholt zu haben, doch ich bin vollkommen überzeugt daß es Ihnen jederzeit Vergnügen macht einem Kunstgenossen nüzlich zu sein.
Genehmigen Sie Hochgeehrter Herr die Versicherung meiner aufrichtigen Verehrung, und erfreuen Sie bald mit einigen Zeilen
Ihren

ergebensten
J.W. Kalliwoda

Donaueschingen d. 7. März 1838.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Kalliwoda, Johann Wenzel : Ouvertüren, op. 85
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838030744

http://bit.ly/2geQvii

Spohr



Spohr beantwortete diesen Brief am 15.03.1838.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.08.2017).