Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Wohlgeborner,
Verehrter Herr Hofkapellmeister!

Ihre herrliche Sinfonie ist vorgestern im ersten Concert spirituel aufgeführt worden; das zahlreich versammelte Publikum, alle wahren Musikkenner Wiens, die sich bei der Production eingefunden hatten, nahmen sie mit enthusiastischem Beifalle auf; jeder Satz wurde lebhaft und anhaltend beklatscht und das Scherzo mußte auf allgemeines Verlangen wiederholt werden. Wir hatten das Orchester verstärkt und auf die Zusammensetzung desselben alle Sorgfalt gewandt, die zahlreichen Proben wurden zu unserer Zufriedenheit abgehalten, alle Mitglieder wirkten mit sichtbarer Liebe mit, Kapellmeister v. Seyfried dirigirte mit vieler Umsicht, und so ward uns denn die herzinnige Freude, daß unsere, schon bei Ansicht der Partitur gehegte und durch die Proben bestätigte Uiberzeugung von der Vortrefflichkeit Ihrer genialen Composition sich auch dem Publikum mittheilte und die Verzüge Ihres schönen Werkes gebührendermaßen anerkannt wurden.1 Freund Haslinger, der sich Ihnen empfehlen läßt, wird Ihnen nächstens darüber schreiben.2 Nehmen Sie unsern herzlichen Dank an für diese höchst werthvolle Gabe. Mögen Sie durch diesen glänzenden Erfolg sich ja bald veranlaßt fühlen, wieder eine Sinfonie zu schreiben, und vertrauen Sie uns Ihr Werk an; Sie können überzeugt sein, daß wir es mit eben so großer Sorgfalt zur Aufführung bringen, und es uns zur höchsten Ehre und zum wahren Genusse schätzen werden, in Wien die ersten zu sein, welche hre Schöpfung bei dem Publikum einführen. Durch Postwagen erhalten Sie ein kleines Andenken an dern ersten März, Tag der Aufführung. Mögen Sie es eben so freudig aufnehmen, als es Ihnen geboten wird. Kapellmeister Seyfried empfiehlt sich Ihnen, erfreuen Sie uns nur bald wieder mit Ihrem Besuche. Alle Ihre Freunde und zahlreichen Verehrer wünschen es herlich. Von Kapellmeister F. Lachner, der von München hierher kam, und den Ihr Werk entzückte, Alles Herzliche und Gute. Wir nennen uns mit wahrer Verehrung und warmer Anhänglichkeit

Wohlgeborner Herr!
Ihre ergebensten Diener
Baron Eduard Lannoy
Karl Holz
Ludwig Titze

Wien, den 3. März 1838

Autor(en): Holz, Carl
Lannoy, Eduard von
Titze, Ludwig
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Haslinger, Tobias
Lachner, Franz
Seyfried, Ignaz von
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Sinfonien, op. 102
Erwähnte Orte: Wien
Erwähnte Institutionen: Concerts spirituels <Wien>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838030345

http://bit.ly/3ouVZET

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Lannoy an Spohr, 12.12.1837. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Lannoy an Spohr, 09.12.1838.

[1] Vgl. O., „Die Concerts spirituels in Wien. Das Erste am 1. März“, in: Allgemeiner Musikalischer Anzeiger 10 (1838), S. 41-44.

[2] Derzeit ist kein Brief von Tobias Haslinger an Spohr aus diesem Zeitraum bekannt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit nicht in den Anmerkungen anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (12.11.2021).