Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,258
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 172 (teilweise)

Frankfurt am 13. Decb 1838.

Theurer Freund!

Empfangen Sie unsern herzlichsten Dank für die freundliche Zusage, unser Fest mit einem Beitrag zu verherrlichen. Gewiß wird es Ihnen selbst Freude machen, für einen so schönen Zweck zu arbeiten.
Heute komme ich aber mit einer neuen und nicht minder wichtigen Bitte, zu meinem großen Schmerz muß ich Ihnen nämlich sagen, daß Ries hoffnungslos darniederliegt; eine hartnäckige Leberkrankheit zehrt ihn auf; man erwartet stündlich sein Ende.1 – Sollte er auch, was ganz unwahrscheinlich ist, genesen, so glaube ich nicht, daß er im Stande sein wird, das Fest zu dirigiren. – Ich wende mich daher im Vertrauen auf Ihre Bereitwilligkeit etwas Tüchtigem Ihren Beistand nicht zu versagen an Sie theurer Freund und frage Sie an, ob Sie wohl geneigt wären, die Musikaufführung, welche am ersten Sonntag im Juli statt findet zu leiten. Welch ein Glanz würde es unserm Unternehmen verleihen u. welche Begeisterung würde sich den 700 Sängern mitteilen, wenn wir Sie an der Spitze sähen! Wie würde das unsern Zweck fördern! Lassen Sie mich diesesmal nicht vergebens bitten, denn die Gewährung würde mir einen der schönsten Tage meines Lebens geben.
Schwierigkeiten untergeordneter Art wollen wir Alle besiegen, wenn es nur heißt: Ich komme und die Freude, so viele Menschen froh u. glücklich zu sehen, wird sich auch Ihnen mittheilen u. Sie werden Ihr gutes Theil davon haben. – Nochmals, lassen Sie mich nicht vergebens bitten; allein ich muß schon wieder sagen, daß mit den Ankündigungen keine Zeit zu verlieren ist u. bitte daher um einen schnellen u. günstigen Entschluß.

Nun leben Sie wohl u. erfreuen bald mit einem gütigen Schreiben
Ihren WmSpy.

Erwähnte Personen: Ries, Ferdinand
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Vater Unser, WoO 70
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen: Liederkranz <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1838011332

http://bit.ly/1QCXMR6

Spohr



Das von Wilhelm Speyer notierte Briefdatum ist offensichtlich falsch. Edward Speyer datiert in seiner Edition das Jahr von 1838 auf 1837 um. Aus dem Kontext erscheint aber wahrscheinlicher, dass sich Speyer nicht beim Jahr, sondern beim Monat verschrieben hat. Sein Dank für Spohrs Zusage ist offensichtlich eine Reaktion auf dessen Brief vom 09.01.1838; Spohr nimmt in seinem Antwortbrief vom 16.01.1838 mit der Erwähnung von Ferdinand Ries’ Lebenleiden auf diesen Brief von Speyer Bezug. Demnach ergibt sich eine Datierung des Briefs auf den 13.01.1838.

[1] Ries starb am 13.01.1838. Den Totenschein stellte übrigens Speyers Schwiegersohn David Eduard Schilling aus (vgl. den Sterbeeintrag in: Ferdinand Ries, Briefe und Dokumente, hrsg. v. Cecil Hill (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 27), Bonn 1982, S. 792f.).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (09.03.2016).

Frankfurt, 13. Dez. 1837.

Empfangen Sie unsern herzlichsten Dank für die freundliche Zusage, unser Fest mit einem Beitrag zu verherrlichen. Gewiß wird es Ihnen selbst Freude machen, für einen so schönen Zweck zu arbeiten. – Heute komme ich aber mit einer neuen und nicht minder wichtigen Bitte, zu meinem großen Schmerz muß ich Ihnen nämlich sagen, daß Ries hoffnungslos darniederliegt, eine hartnäckige Leberkrankheit zehrt ihn auf; man erwartet stündlich sein Ende ... Ich wende mich daher im Vertrauen auf Ihre Bereitwilligkeit etwas Tüchtigem Ihren Beistand nicht zu versagen an Sie, teurer Freund, und frage ob Sie wohl geneigt wären, die Musikaufführung, welche am ersten Sonntag im Juli stattfindet, zu leiten? Welch ein Glanz würde es unserm Unternehmen verleihen und welche Begeisterung würde sich den 700 Sängern mitteilen, wenn wir Sie an der Spitze sähen! Wie würde das unsern Zweck fördern! Lassen Sie mich nicht vergebens bitten, denn die Gewährung würde mir einen der schönsten Tage meines Lebens bereiten ... Die Freude, so viele Menschen froh und glücklich zu sehen, wird sich auch Ihnen mitteilen und Sie werden Ihr gutes Teil davon haben ...