Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.5 <Haslinger 18371118>

Sr. Wohlgeb.
Herrn Tobias Haslinger
k.k. Hofmusikalienhändler
in
Wien.

Nebst einem
Notenbuche
in Papier
gez:
H.T.H.1


Cassel den 18ten Nov.
1837

Hochgeehrtester Herr und Freund,

Beykommend erhalten Sie nun die neue Sinfonie für das Concert spirituell. Ich habe die Absendung so lange verzögert, weil ich von einem Posttag zum andern noch vorher auf meinen letzten Brief eine Antwort von Ihnen erwartete. Ich muß nun fast glauben, daß er nicht in Ihre Hände gekommen ist. Ich bat Sie darin um gefällige Auskunft, wie ich wohl die Dedication der Sinfonie an die Directoren der Concerts spir. einzurichten habe. Ich habe dies nun noch vorläufig unterlassen; es läßt sich bey der Herausgabe der Sinfonie nachholen. Haben Sie die Güte den Herren von Lannoy und Holz nun das Werk in meinem Namen zu übergeben und zu recht sorgfältigem Einüben zu empfehlen. Ich habe hier 2 Proben davon gemacht und zur 2ten unsere hiesigen Musikenner eingeladen. Nach dem Eindruck zu urtheilen den es auf diese machte, darf ich wohl auch auf einen günstigen Erfolg in Wien hoffen. Ich habe mich aber überzeugt, daß dieser größtentheils von einer recht genauen Execution abhängig seyn wird! Die Sinfonie ist sehr schwer, besonders der erste und letzte Satz und muß daher wiederholt probirt werden, bevor sie mit der gehörigen Eleganz, Leichtigkeit und der Beobachtung aller vorgeschriebenen Nuancen von p. und f. gehen kann.
Die 4 Pianoforte sind nun sämtlich glücklich angekommen und besonders die von Streicher sehr vorzüglich befunden worden. Haben Sie die Güte diesem letztern zu sagen, daß das Geld von Herrn Director Rommel2, wenn es nicht etwas schon bey Ankunft dieses Briefs in seinen Händen ist, doch unverzüglich eintreffen werde. Herrn Knamm bitte ich zu sagen daß er sich von seinem Spediteur habe übertheuern lassen, indem die Instrumente von Streicher, 2½ Centner schwerer wie die seinigen, nur 72 fl., die seinigen aber 75 fl. Fracht gekostet hätten.
Entschuldigen Sie gütigst, daß ich Sie mit so vielen Aufträgen plage und geben Sie mir nur auch einmal Gelegenheit mich Ihnen gefällig zu zeigen. Ihren lieben Angehörigen die herzlichsten Grüße von uns. Mit wahrer Freun[d]sc[ha]ft stets ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Holz, Carl
Knam, Joseph Anton
Lannoy, Eduard von
Rommel, Philipp
Streicher, Johann Baptist
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Sinfonien, op. 102
Erwähnte Orte: Kassel
Wien
Erwähnte Institutionen: Concerts spirituels <Wien>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1837111822

http://bit.ly/2eWxYXu

Spohr



Dieser Brief folgt auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Haslinger, dessen derzeit verschollene Antwort durch Haslinger vom 13.11.1837 sich in ihrem Postweg offensichtlich mit dem Postweg dieses Briefs überschnitt.
Der nächste belegte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Haslinger, 04.10.1838.

[1] Links neben dem Adressfeld befindet sich von anderer Hand der Empfangsvermerk des Verlags: „Spohr in Cassel / 18 Nov. 1837. / erhalten _ 28. Nov. / beantwortet _ “.

[2] In Frage kommen der Staatsarchivdirektor Christoph von Rommel und der Obergerichtsdirektor Philipp Rommel (vgl. [Christian] Preime, Casselsches Adreßbuch für das Jahr 1837, Kassel 1837, S. 167). Da Spohr hier kein „von“ anführt, ist hier Philipp Rommel verschlagwortet.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (28.07.2017).