Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.5 <Haslinger 18371118>
Beleg 1: Autographen-Sammlung enthaltend die Autographen aus dem Nachlaß der Clarinettisten Heinrich und Carl Baermann, München, des Philologen Geheimrat Bernh. Rud. Abeken, Osnabrück († 1866), sowie aus dem Archiv einer bedeutenden Musikalienhandlung. Versteigerung 29. und 30. November 1922 (= Katalog Henrici 80), Berlin 1922, S. 76
Beleg 2: Autographen: 12. und 13. Mai 1930 (= Katalog Stargardt 306), Berlin 1930, S. 60

Sr. Wohlgeb.
Herrn Tobias Haslinger
k.k. Hofmusikalienhändler
in
Wien.
 
Nebst einem
Notenbuche
in Papier
gez:
H.T.H.1
 
 
Cassel den 18ten Nov.
1837
 
Hochgeehrtester Herr und Freund,
 
Beykommend erhalten Sie nun die neue Sinfonie für das Concert spirituell. Ich habe die Absendung so lange verzögert, weil ich von einem Posttag zum andern noch vorher auf meinen letzten Brief eine Antwort von Ihnen erwartete. Ich muß nun fast glauben, daß er nicht in Ihre Hände gekommen ist. Ich bat Sie darin um gefällige Auskunft, wie ich wohl die Dedication der Sinfonie an die Directoren der Concerts spir. einzurichten habe. Ich habe dies nun noch vorläufig unterlassen; es läßt sich bey der Herausgabe der Sinfonie nachholen. Haben Sie die Güte den Herren von Lannoy und Holz nun das Werk in meinem Namen zu übergeben und zu recht sorgfältigem Einüben zu empfehlen. Ich habe hier 2 Proben davon gemacht und zur 2ten unsere hiesigen Musikenner eingeladen. Nach dem Eindruck zu urtheilen den es auf diese machte, darf ich wohl auch auf einen günstigen Erfolg in Wien hoffen. Ich habe mich aber überzeugt, daß dieser größtentheils von einer recht genauen Execution abhängig seyn wird! Die Sinfonie ist sehr schwer, besonders der erste und letzte Satz und muß daher wiederholt probirt werden, bevor sie mit der gehörigen Eleganz, Leichtigkeit und der Beobachtung aller vorgeschriebenen Nuancen von p. und f. gehen kann.
Die 4 Pianoforte sind nun sämtlich glücklich angekommen und besonders die von Streicher sehr vorzüglich befunden worden. Haben Sie die Güte diesem letztern zu sagen, daß das Geld von Herrn Director Rommel2, wenn es nicht etwas schon bey Ankunft dieses Briefs in seinen Händen ist, doch unverzüglich eintreffen werde. Herrn Knamm bitte ich zu sagen daß er sich von seinem Spediteur habe übertheuern lassen, indem die Instrumente von Streicher, 2½ Centner schwerer wie die seinigen, nur 72 fl., die seinigen aber 75 fl. Fracht gekostet hätten.
Entschuldigen Sie gütigst, daß ich Sie mit so vielen Aufträgen plage und geben Sie mir nur auch einmal Gelegenheit mich Ihnen gefällig zu zeigen. Ihren lieben Angehörigen die herzlichsten Grüße von uns. Mit wahrer Freun[d]sc[ha]ft stets ganz
 
der Ihrige
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Haslinger
Haslinger, Tobias
Erwähnte Personen: Holz, Carl
Knam, Joseph Anton
Lannoy, Eduard von
Rommel, Philipp
Streicher, Johann Baptist
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Sinfonien, op. 102
Erwähnte Orte: Kassel
Wien
Erwähnte Institutionen: Concerts spirituels <Wien>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1837111822

http://bit.ly/2eXrxTM

Spohr



Dieser Brief folgt auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Haslinger, dessen derzeit verschollene Antwort durch Haslinger vom 13.11.1837 sich in ihrem Postweg offensichtlich mit dem Postweg dieses Briefs überschnitt.
Der nächste belegte Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Haslinger, 04.10.1838.
[1] [Ergänzung 21.03.2022: Auf dem Adressfeld befindet sich rechts oben der Poststempel „CASSEL / 13NOV[1837]“.] Links neben dem Adressfeld befindet sich von anderer Hand der Empfangsvermerk des Verlags: „Spohr in Cassel / 18 Nov. 1837. / erhalten _ 28. Nov. / beantwortet _ “.
 
[2] In Frage kommen der Staatsarchivdirektor Christoph von Rommel und der Obergerichtsdirektor Philipp Rommel (vgl. [Christian] Preime, Casselsches Adreßbuch für das Jahr 1837, Kassel 1837, S. 167). Da Spohr hier kein „von“ anführt, ist hier Philipp Rommel verschlagwortet.
 
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (28.07.2017).