Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.6 <Ehrlich 18370921>
Druck: Karl Traugott Goldbach, „Louis Spohr und der Kinnhalter“, in: Musikforschung 68 (2015), S. 123-135, hier S. 126

Sr. Wohlgeb.
Dem Instrumentenmacher
Herrn Wilhelm Ehrlich
bey der Wittwe
Fritsche, Hansgasse
Nro 100
Dresden.

franco.


Cassel den 21sten
Sept. 1837.

Wohlgeborner Herr,

Es ist mir leid, Ihnen eine unangenehme Nachricht mittheilen zu müssen. Ein Sohn des Instrumentenmachers Schonger in Erfurt, der schon seit mehreren Jahren auf 4-6 Monathe hieher kam, um hier zu repariren, ist auf dieselbe Idee gekommen wie Sie, nämlich sich hier zu besetzen. Wie ich Ihnen auf Ihre Anfrage antwortete, war er bereits hier und hatte auch schon Schritte gethan um die Concession zu erhalten, wovon ich jedoch nichts wußte.1 Nun hat er sie erhalten und wird auf Neujahr hieherziehen. Da er sich hier in seinen Arbeiten als ein sehr geschickter Mann gezeigt hat, so konnte ich ihm nicht entgegen seyn. Ich muß daher bedauern unter diesen Umständen für Ihren Wunsch nichts thun zu können.

Mit aller Hochachtung
Ew. Wohlgeb.
ergebener
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Schonger, Joseph
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1837092114

http://bit.ly/2uCosLc

Spohr



Dieser Brief folgt offensichtlich auf jeweils einen Brief von Ehrlich an Spohr und Spohr an Ehrlich, die derzeit beide verschollen sind.
Aufgrund des Datum dieses Briefs dürfte das von Lütgendorff gegebene Geburtsdatum für Ehrlich „um 1820“ (Willibald Leo von Lütgendorff, Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main 1904, S. 577) deutlich früher anzusetzen sein: Ein Siebzehnjähriger hätte vermutlich noch nicht den für eine Niederlassung notwendigen Meistertitel erworben (vgl. Goldbach, „Louis Spohr und der Kinnhalter“, S. 126, Anm. 12).

[1] Vgl. dagegen die Darstellung „[…] kam im Mai des genannten Jahres [1838] besuchsweise nach Cassel, wo ihn Spohr veranlasste seinen bleibenden Wohnsitz aufzuschlagen“ (Willibald Leo von Lütgendorff, Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main 1904, S. 577; so auch übernommen bei Adolf Layer, Die Allgäuer Lauten- und Geigenmacher. Ein Kapitel schwäbischer Kulturleistung für Europa (= Studien zur Geschichte des Bayerischen Schwabens 15), Augsburg 1978, S. 48f.).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.08.2017).