Autograf: Beethoven-Haus Bonn (D-BNba), Sign. HCB Br 365
Druck: Ferdinand Ries, Briefe und Dokumente, hrsg. v. Cecil Hill (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn 27), Bonn 1982, S. 768f.

Herr Kapellmeister Spohr
Wohlgeboren
in
Cassel
Hessen

nebst einem Paquet
Musikalien am Werth
Rth. 50 - -
gezeichnet
L.S.C. # 10


Frankfurt a/m 18 Sept 1837

Verehrtester Freund

Obschon ich nächsten Mittwoch meine offiziellen Functionen als Direktor des Caecilien Verein erst antreten werde – so schicke ich Ihnen anbey die gewünschten Sachen von Paulus von Mendelsohn und frage vorher Erlaubniß vom Vorstand1.

bestehen in
1 Partitur
4 V. 1mo
4 V. 2do
3 Alti
3 Vli
3 Bassi
2 Flöten
2 Oboi
2 Clar.
1 Fagotti
4 Corni
2 Trombe
1 Timpani
3 Trombone
1 Serpent
1 Contrafagot

37 - - -

Bitte, mir sie aber gleich nach der Aufführung zurück zuschicken. Was den Verein betrifft, werde ich erst sehen, ob er mit mir und ich mit dem Verein zufrieden seyn werde: manches muß anders werden, denn musikalische Beschwesterey kann ich nicht leiden. Bey der Übergabe der Bibliothek, die in einer ganz fürchterlichen Unordnung war, zeigte man mir ein ganz hohes Gefach, wo Musikalien lägen, die man selten oder nie gebraucht hat. Da fand ich mein Oratorium, mehrere andere gute, aber neuere Kompositionen, auch Ihre „Letzten Dinge” und ein anderes Werk von Ihnen, ich tröstete mich, wenigstens, wie ich dachte, in guter Gesellschaft zu seyn. Ich werde aber piano anfangen müssen; wird aber schon werden.
Ich hoffe, daß mein neues Oratorium „Die Könige in Israel” bey Ihnen auch einmal zur Aufführung kommen wird, Partitur, Chorstimmen, Orchester, Klavierauszug, alles ist bey Mompour in Bonn gestochen. Es hat in Aachen beim letzten Musikfest außerordentlich Effekt gemacht und gefallen, ausser einem Rezensenten2: darüber tröste ich mich recht leicht.
Es war mir leid, für Ihre empfohlenen jungen Damen3 nichts besseres rathen zu können, als zurück nach Cassel zu gehen, wo sie wenigstens gute Musik und Concerte hören, unser Theater ist unter aller Kritik. Sing Lehrer oder Lehrerin nicht hier – alles ist ziemlich zerstört, was gute Musik heißt.
Leben Sie wohl immer

Ihr
aufrichtiger Freund
Ferd. Ries

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Mendelssohn Bartholdy, Felix : Paulus
Ries, Ferdinand : Die Könige in Israel, op. 186
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen: Cäcilienverein <Frankfurt am Main>
Cäcilienverein <Kassel>
Stadttheater <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1837091843

http://bit.ly/2KAXWzg

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Ries, 14.09.1837. Der nächste Brief dieser Korrespondenz ist Ries an Spohr, 23.09.1837.

[1] „frage vorher Erlaubniß vom Vorstand“ unter der Zeile eingefügt. - Hill transkribiert hier: „Frage nachher Erlaubnis vom Vorstand“.

[2] A[lfred] J[ulius] Becker, „Die Könige in Israel. Oratorium von Ferd. Ries. Am 19ten Rheinischen Musikfest zum ERstenmal aufgeführt“, in: Neue Zeitschrift für Musik 7 (1837), S. 11 und 15f.; vgl. ders., „Das neunzehnte Niederrheinische Musikfest“, in: ebd., 19-23 und 26ff., hier S. 27; weitere Rezensionen: „Niederrheinisches Musikfest. Aachen“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 39 (1837), Sp. 409f., hier Sp. 410; „Aix-la-Chapelle“, in: Musical World 6 (1837), S. 119f., hier S. 120.

[3] Noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (11.04.2019).