Autograf: Lippische Landesbibliothek Detmold (D-DT), Sign. Mus-h 17 S 5
Druck: Otto von Meysenbug, „Beiträge zur Geschichte musikalischen und theatralischen Lebens in Detmold”, in: Mitteilungen aus der lippischen Geschichte und Landeskunde 3 (1905), S. 177-204, hier S. 183f.

Cassel den 18ten
April 1837.

Wohlgeborner Herr,

Frl. Scott hat mir Ihr Schreiben überbracht und ich werde ihr nach Kräften mit Rath und That an die Hand gehen. Wenn sie Stimme und Talent besitzt, so wird sie gewiß hier ihre Carriere machen. Aus unserem Musiktest wird nichts, weil der Minister des Innern und des Cultus nicht gestatten will, daß während der Festtage das Orchestergerüst in der Kirche stehe.1 Da ich nun wegen der bedeutenden Kosten es nicht wagen darf, das Musikfest zu einer andern Zeit als Pfingsten zu unternehmen, so habe ich es ganz aufgeben müssen. Jedoch werden wir mit Aufbiethen aller einheimischen Kräfte (Chor 250, Orchester 80) das eine der Oratorien, nämlich Mendelssohns herrlichen Paulus, am ersten Pfingsttage in einer andern Kirche, wo wir keines bedeutenden Baues bedürfen, geben und ich hoffe, daß diese Aufführung uns bey den Fremden Ehre machen wird.
Die gewünschten Quartettstimmen kann ich Ihnen nicht schicken, da ich sämtliche Orchesterstimmen sogleich nach unserer Charfreitags-Aufführung nach Bremen geschickt habe. Die dortige Aufführung wird am Himmelfahrtstage sein, mithin werden Sie die Stimmen spätestens den 8-9ten Mai erhalten.
Zu der erhaltenen Zulage meinen herzlichen Glückwunsch.

Mit wahrer Hochachtung
Ihr
ergebenster
Louis Spohr

NS. Sollte Ihr dortiger Verein den Clavierauszug und die gestochenen Gesangstimmen des Paulus vielleicht auschaffen wollen, so könnten wir ihm deren ungebrauchte noch wohlfeiler überlassen, als er sie beim Verleger, incl. des Rabatts, erhalten würde.

Erwähnte Personen: Hassenpflug, Ludwig
Scott, Emma
Erwähnte Kompositionen: Mendelssohn Bartholdy, Felix : Paulus
Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte: Bremen
Detmold
Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Singverein <Detmold>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1837041808

http://bit.ly/28OgOo4

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Kiel an Spohr, 14.04.1837. Kiel beantworte diesern Brief am 25.06.1837.

[1] Ludwig Hassenpflug (vgl. Spohr an Adolph Hesse, 18.05.1837).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.06.2016).

Wohlgeborner Herr. Frl. Scott hat mir Ihr Schreiben überbracht und ich werde ihr nach Kräften mit Rath und That an die Hand gehen. Wenn sie Stimme und Talent besitzt, so wird sie gewiß hier ihre Carriere machen. Aus unserem Musiktest wird Nichts, weil der Minister des Innern und des Cultus nicht gestatten will, daß während der Festtage das Orchestergerüst in der Kirche stehe. Da ich nun wegen der bedeutenden Kosten es nicht wagen darf, das Musikfest zu einer andern Zeit als Pfingsten zu unternehmen, so habe ich es ganz aufgeben müssen. Jedoch werden wir mit Aufbiethen aller einheimischen Kräfte (Chor 250, Orchester 80) das eine der Oratorien, nämlich Mendelssohns herrlichen Paulus, am ersten Pfingsttage in einer andern Kirche, wo wir keines bedeutenden Baues bedürfen, geben und ich hoffe, daß diese Aufführung uns bey den Fremden Ehre machen wird.
Die gewünschten Quartettstimmen kann ich Ihnen nicht schicken, da ich sämtliche Orchesterstimmen sogleich nach unserer Charfreitags-Aufführung nach Bremen geschickt habe. Die dortige Aufführung wird am Himmelfahrtstage sein, mithin werden Sie die Stimmen spätestens den 8.-9. Mai erhalten.
Zu der erhaltenen Zulage meinen herzlichen Glückwunsch.

Mit wahrer Hochachtung Ihr ergebenster L. Spohr

P.S. Sollte Ihr dortiger Verein den Clavierauszug und die gestochenen Gesangstimmen des „Paulus” vielleicht auschaffen wollen, so könnten wir ihm deren ungebrauchte noch wohlfeiler überlassen, als er sie beim Verleger, incl. des Rabatts, erhalten würde.