Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[David:02

Herrn
Herrn Louis Spohr, Kurfürstl.
Hof-Kapellmeister
in Cassel.

franco.


Es gereicht mir zur besonderen Freude Ihnen, hochgeschätzter Herr Kapellmeister anzeigen zu können daß ich seit Weihnachten verheyrathet bin und mich in meinem neuen Stande vollkommen glücklich fühle. Meine Frau ist eine Tochter des H. v. Liphard bey welchem ich in Dorpat engagirt war. -
Am vorigen Donnerstage habe ich Ihr c moll Conzert im Abonnement-Conzerte gespielt.1 Die herrliche Composition hat allgemeinen Eindruck gemacht. Das 3te Doppel-Quartett habe ich in meinem letzten Abonnement-Quartett gespielt und nach dem Beyfall zu schließen den es fand muß es gut zusammen gegangen seyn; doch habe ich dabey eingesehen wie vollkommen Recht sie hatten es hier ohne Probe nicht spielen zu wollen, da besonders der erste Satz schwer fürs Zusammenspiel gefallen ist. - Daß wir den guten Weiss verloren haben wird Ihnen wohl schon bekannt seyn; er hat sein schönes Violoncell seine Noten und alles was er hinterlassen dem Kapellmeister Reissiger vermacht. - Durch einen hier durchreisenden Schüler2 von Ihnen, dessen Name mir entfallen, habe ich ein neues Concertino von Ihrer Composition oberflächlich kennen gelernt auf dessen nähere Bekanntschaft ich mich sehr freue. - In der vorigen Woche wurde der Faust hier gegeben, obgleich die Haupt-Rollen ziemlich gut besetzt waren so gieng doch im Ganzen die Oper nicht zum besten. - Wir haben in diesem Winter viel neue Symphonien hier aufgeführt die alle vor dem Wiener Richterstuhl ihr Schicksal erwartet hatten und nachdem sie dort unverrichteter Sache hatten abziehen müssen ihr Heil hier versucht haben, es aber auch nicht gefunden zu haben scheinen. - Ihre Ouverture zur Tochter der Lüfte war das Einzige Neue von Bedeutung.3 Die Musik zum Faust vom Fürsten Radziwill hat sehr gelangweilt.4 - Heute über 8 Tage wird der Paulus von Mendelssohn aufgeführt. - Letzterer ist jetzt zu sehr mit Heirathsgedanken beschäftigt (seine Braut ist in diesem Augenblick hier) als daß er ans componiren denken könnte, zu Ostern wird seine Hochzeit seyn. - Entschuldigen Sie, hochgeschätzter H Capellmeister, meine lange Epistel, mit der Bitte mich Ihrer Gemahlin u. Ihrem Frl Tochter bestens zu empfehlen verbleibe ich mit größter Hochachtung

Ihr ganz ergebenster
Ferdinand David

Leipzig den 6ten März 1837.

Herrn Hauptmann, falls er wieder in Cassel seyn sollte, bitte ich bestens zu empfehlen.



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an David, 18.03.1836. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist David an Spohr, 14.09.1837.

[1] Zum Konzert am 07.03.1837 vgl. „Leipzig, am 31. März“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 39 (1837), Sp. 225ff. und 242-246, hier Sp. 242f.; „Leipziger Fragmente 2“, in: Neue Zeitschrift für Musik 6 (1837), S. 144f., hier S. 145.

[2] Noch nicht ermittelt.

[3] Zum Konzert am 09.02.1837 vgl. „Leipzig, am 31. März“, Sp. 242; „Leipziger Fragmente 2“, S. 145.

[4] Zum Konzert am 13.02.1837 vgl. „Leipzig, am 31. März“, S. 245; „Leipziger Fragmente 2“, S. 145.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.04.2017).