Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Pr. am 19/2 37.1

Detmold den 15/2 37.

Hochverehrter Herr Kapellmeister!

Meinen herzlichsten Dank für die gütige Erfüllung meines Wunsches.2 Der Fräulein Scott habe ich Ihr gütiges Anerbieten eröffnet. Was ihr Gesangstalent betrifft, so darf ich mit Überzeugung sagen, daß es wie ihre Stimme ausgezeichnet ist; nicht allein dieses, auch ihre Figur paßt sich sehr gut zu Parthien, wie Fidelio, Jessonda, Rezia etc. Mit dem Einstudiren hat man geringe Mühe, da sie so musikalisch gebildet ist, daß sie correct vom Blatte singt und wie
schon erwähnt sehr gut Clavier spielt. Die Parthien die sie hier gesungen:

Gräfin in Figaros Hochzeit
Rezia – Oberon
Agathe – Freischütz
Pamina – Zauberflöte
Marie – Adlers Horst
Rowena – Templer & Jüdin
Jenny – Kerker zu Edinburg3
Emilie – Othello

Jessonda und Elvira im Don Juan studiert sie jetzt. Aufzutreten wünscht sie in: Rezia, Pamina, Agathe, Gräfin. Was das Engagement, das Sie ihr angeboten betrifft, will sie sich nur für ein halbes Jahr höchstens ein ganzes Jahr verbindlich machen, die Bestimmung der Gage will sie Ihnen überlassen. Da Fräulein Scott einen Vorschuß von 80 Taler von der hiesigen Intendance bekommen, so wünscht sie damit ihre dadurch auferlegte Verbindlichkeit sie nicht hindern möge, das Engagement bei Ihnen anzunehmen von Ihnen die Summe von 80 Taler gleichfalls als Vorschuß. Sie wartet nur auf Ihren Brief, um sogleich hier zu kündigen; jedoch mögte ich bezweifeln, daß man sie früher als 6 Wochen gehen läßt. Da unsere Intendance ein großes Geschrei bei der Kündigung der Fr. Scott erheben wird, und ich mich ebenso überrascht stellen muß, so finden Sie gewiß natürlich, daß meiner hiesigen Verhältnisse wegen, meine Correspondenz über diesen Gegenstand geheim bleiben muß. – Ich habe die Mitglieder unsers Orchesters mit Ew. Wohlgeboren Einladung bekannt gemacht, bemerke zugleich, daß ich dieselben als tüchtige Orchesterspieler empfehlen darf. Den Contra-Bassist ausgenommen bringt ein Jeder sein Instrument mit. Da die Reise und der Aufenthalt in Cassel mit für unsere Verhältnisse großen Kosten verknüpft ist, die Mitglieder unseres Orchesters aber diesem ausgezeichneten Musikfeste beizuwohnen wünschten, so glaube ich das nicht unbillig zu finden, wenn sie postmäßiges Reisegeld verlangen, die übrigen Kosten der Reise und des Aufenthaltes in Cassel, würden sie mit Vergnügen selbst bestreiten oder der Aufenthalt in Cassel würde ihnen freigehalten, alsdann trügen dieselben die Kosten der Reise. Folgende Mitglieder sind die von mir zu empfehlenden:

Deppe
Gravenhorst
Greve                1ste Violine
Dassel I4
Leibnitz
Schmidt             2te Violine
Dassel II5           Viola
Dassel III6          Cello
Neumann           Contrabaß {ausgezeichnet.

Ich komme natürlich auf jeden Fall.
Einer gütigen Antwort entgegensehend

verharre ich wie immer
als Ew. Wohlgeborn
dankbarster Schüler
Aug. Kiel.



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Kiel, 13.02.1837. Der nächste Brief dieser Korrespondenz ist Kiel an Spohr, 14.04.1837.

[1] Noch nicht entschlüsselt.

[2] Spohrs Zusage, Aufführungsmaterial für Des Heilands letzte Stunden auszuleihen.

[3] La Prison d’Edimbourg von Michel Carafa.

[4] Johann Anton Dassel.

[5] Anton Wilhelm Dassel.

[6] Carl Dassel.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.06.2016).