Autograf: Library of Congress Washington (US-Wc), Sign. Gertrude Clarke Whittall Foundation/Mendelssohn Collection, ML 30.8j
Abschrift: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. MA Nachl. 7,64/1,6
Druck 1: Rare and Interesting Autograph Letters, Manuscripts, and Historical Documents (= Katalog Noel Conway & Co), Birmingham [1892], S. 47 (vgl. S. 50) (teilweise)
Druck 2: Felix Mendelssohn Bartholdy, Briefe, hrsg. v. Rudolf Elvers, Frankfurt am Main 1984, S. 196f.
Druck 3: John Michael Cooper und R. Larry Todd, „'With True Esteem and Friendship'. The Correspondence of Felix Mendelssohn Bartholdy and Louis Spohr“, in: Journal of Musicological Research 29 (2010), S. 171-259, hier S. 227f.; englische Übersetzung S. 186f.
Druck 4: Felix Mendelssohn Bartholdy, Sämtliche Briefe, Bd. 5, hrsg. v. Uta Wald unter Mitarbeit v. Thomas Kauba, Kassel u.a. 2012, S. 151f.

Herrn
Herrn Kapellmeister L. Spohr
Hochwohlgeb.
in
Cassel.

frei.1


Hochgeehrter Herr Kapellmeister

Sie können gar nicht glauben, wie sehr Sie mich durch Ihren Brief, und durch das schöne Lied für das Album meiner Braut erfreut. Ich kann es Ihnen auch gar nicht ausdrücken wie wohlthuend es mir ist, wenn ich einen Brief von Ihnen lese, wie ich Ihnen dafür danken möchte. Aber vor allem jetzt für das liebe schöne Lied, das so gerade für die Stimme meiner Braut sich eignet, das ihr so
viele viele Freude2 bereiten wird. Dann aber für das, was Sie mir über Ihre neue Ouvertüre3 schreiben, und für die Aussicht, dieselbe hier bald zu haben und zu hören. Sie sagen mir daß meine Ouvertüre zur Melusina zu ihrem Entstehen mitgewirkt haben könne, und das ist wohl das liebste und ehrenvollste was Sie mir darüber hätten schreiben können, und macht mir mein Stück von neuem lieb. Die Herren Directoren des Abonnement-Concerts, denen ich gestern Ihren Brief gleich nachdem ich ihn erhalten, mittheilen konnte, tragen mir auf Ihnen in Ihrem Namen sehr vielmals für das gütige Anerbieten mit Ihrer Ouvertüre zu danken, Ihnen zu sagen wie sehr sie sich dadurch erfreut und geehrt fühlen, und Sie um die Zusendung sobald als möglich zu bitten, da wir sie gleich nach Ihrem Empfang einstudiren, und aufführen werden. Auch soll ich Sie bei dieser Gelegenheit nochmals bitten, wenn Sie jemals irgend ein neues Stück hätten, was sich für die Leipziger Abonnement-Concerte eignete, dieselben nicht zu vergessen, und es uns sobald als möglich zur Aufführung anzuvertrauen, da wir dieselbe so schnell es nur geht veranstalten und gewiß alle nach unsern Kräft en zu einer würdigen Ausführung beitragen werden.
Ich schreibe Ihnen sehr eilig und bitte deshalb um Entschuldigung aber ich reise in wenig Stunden nach Frankfurt ab, und so können Sie sich denken daß sich mancherlei drängt und kreuzt. Leider ist mir die Zeit so kurz zugemessen, daß ich nicht einmal 14 Tage dort sein kann, und dennoch Tag und Nacht hin und zurück reisen muß; deshalb kann ich auch Ihre so freundliche Einladung
durch Cassel zu kommen, nicht annehmen, so gern ich Ihnen mündlich einmal für das liebe Lied dankte, und so gern ich die Duetten recht vielmal mit Ihnen spielte. Vielleicht komme ich im Laufe des Sommers oder Herbstes4 einmal nach Cassel, wie ich mich darüber freuen würde, wissen Sie wohl.5 Mein Paulus muß nun wohl schon bei Ihnen sein, wenigstens hier ist der Clavier-Auszug schon seit etwa 14 Tagen. Das Paket mit der Ouvertüre würde ich Sie bitten an Herrn W. Härtel hier unfrankirt zu adressiren.6 Und nun noch meine besten Grüße an die verehrten Ihrigen, an Hauptmann an Frau von Malsburg, und die Bitte mir diese eiligen Zeilen, im vergnügten Wirrwarr der Abreise geschrieben, zu verzeihen. Erhalten Sie mir Ihre Güte und Freundschaft und nehmen Sie nochmals den aufrichtigen Dank und die Hochachtung

Ihres ergebnen
Felix Mendelssohn Bartholdy.

Leipzig d. 13 Dec. 1836



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Spohr an Mendelssohn. Der nächste Brief dieser Korrespondenz ist Mendelssohn an Spohr, 21.02.1837.

[1] Links über dem Adressfeld befindet sich der Poststempel „LEIPZIG / 13 Dec. 36“, rechts vom Adresssfeld „15 DEC1836“.

[2] Hier ein Wort gestrichen („mehr“?).

[3] Fantasie über „Die Tochter der Lüfte“.

[4] „Herbstes“ über vier gestrichenen Wörtern eingefügt.

[5] Hier ein Zeichen gestrichen („-“?).

[6] Spohr an Wilhelm Härtel, 04.01.1837.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (24.06.2020).