Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Herrn
Hofcapellmeister Doct.
Louis Spohr
in
Cassel

franco!


Herrn Hof Capellmeister Doctor L. Spohr in Cassel
Hamburg, d. 6/11 36.

Wir ersuchen Sie freundlichst uns mit erster direkten Post
1 Exemplar Ihres vortrefflichen Oratorio:
Des Heilands letzte Stunde im Clav Ausz. zukommen zu lassen.
Bei Ankauf der diversen Sing & Orchesterstimmen für einen Gesang Verein in Meklenburg erhielten wir von der Verlagshdlg. die Weisung, daß der ClavAusz. nur bei Ihnen zu haben wäre.
Den Betrag f. obiges Werk werden wir Ihnen nach Empfang sofort dort zahlen lassen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
Schuberth & Niemeyer

Meine Nachschrift bitte entschuldigend aufzunehmen, sie entspringt aus meiner Liebe zur Kunst. Es mag Sie wahrscheinlich wenig interessiren, aber es kann Ihnen doch nicht ganz gleichgültig seyn, daß ich als Kunstliebhaber & leidenschaftlicher Violinspieler Ihre Compositionen hochschätze & sie mir daher sämmtlich privatim angeschafft habe. In meinen Quartettunterhaltungen bilden Ihre Quartette Lichtfunken die mich & meine Hörer jedesmal hinreißen.
Augenblicklich studire ich Ihr 10ts Quartett (30st op.) & möchte Sie hierzu wohl um Ihren Rath bitten. Namentlich die 1te Violin & Cellostimme haben am Schlusse des 1ten Theils 2½ Takt zum Uebergang, die 2te Violine & Viola aber 3½ Takt. Wenn ich nun auch in der 1ten Vioine & Cello gleichfalls 3½ Takte zum Uebergang nehme, so bliebe deßhalb immer die Harmonie gestört – bitte Sie daher recht freundlich um Ihre gütige Zurechtweisung.
In meinem nächsten Quartett kommt das 3te dem H. Speyer in Offenbach dedicirte1 zur Aufführung – eine herrliche Arbeit! Einen doppelten Genuß verspreche ich mir davon – da es mir gelungen ist, eine vortreffliche Guarnerio, freilich für wahres Geld, an mich zu bringen. Das Instrument ist prächtig conservirt dabei noch ganz Original & hat hier2 bei vielfältigen Versuchen Ihres Gleichen bei weitem nicht gefunden. – Mein Bruder Carl von welchem ich Ihnen schon früher ein mal schrieb, hat in Petersburg eine schöne lebenslängliche Anstellung als Concertmeister & Solovioloncellist mit 5000 Rubeln gefunden. Viel Glück!

Mit ausgezeichneter Hochachtung
bin ich Ihr
ganz ergebener
Sie hochschätzender
Julius Schuberth

Autor(en): Schuberth
Schuberth, Julius
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Schuberth, Carl Eduard
Speyer, Wilhelm
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Spohr, Louis : Quartette, V 1 2 Va Vc, op. 58
Spohr, Louis : Quartette, Vl 1 2 Va Vc, op. 30
Erwähnte Orte: Hamburg
St. Petersburg
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1836110655

http://bit.ly/35scitX

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schuberth an Spohr, 29.12.1834. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Schuberth an Spohr, 06.02.1839.

[1] Op. 58.3.

[2] „hier“ über der Zeile eingefügt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (13.11.2020).