Autograf: Spohr Museum Kassel, Sign. Sp. ep. 1.2 <18360911>

Breslau den 11t. September 1836.

Geliebter Herr Kapellmeister.

Sie werden erstaunen, schon wieder eine Zuschrift von mir zu erhalten, allein es geschieht in einer Angelegenheit, die Sie interessieren muß, und auf diese Gefahr hin wage ich es, Sie einige Minuten zu stören.
Mein Kollege Siegert und ich, wir wollen künftigen Monat Ihr neues Oratorium in unserer Kirche Abends bei Beleuchtung mit großen Mitteln aufführen. Da Texte gedruckt werden sollen, und es sehr langweilig ist, die Worte aus dem Klavierauszuge herauszusuchen, so bitten wir Sie ergebenst, uns gütigst einen solchen Text mit nächster Fahrpost zu senden. In 8 Tagen sollen schon die Proben beginnen. In der letzten Zeit schrieb ich eine Cantate mit Chor und Orchester für unsere Kirche, die gegenwärtig in Partitur gestochen wird.
Eine Madame Schodel, Walker und Herr Mantius gastieren jetzt auf unserm Theater, auch wird in diesen Tagen Jessonda gegeben. Für die Ehre Ihrer Dedikation statte ich schon im Voraus meinen ganz ergebenen Dank ab.1
Wenn Herr Kahlert noch nicht bei Ihnen ist, so kommt er nächstens, vergessen Sie nicht das 3te Double Quatuor und das neue Concertino.2 Im ersten unserer Konzerte werde ich ein neues Konzert in f moll von Chopin spielen. Herzliche Grüße an die lieben Ihrigen, ich aber bin in Hoffnung baldiger Gewährung unserer ergebensten Bitte

Ihr
ergebenster Verehrer
Adolph Hesse.

(NB. Von Louis Kleinwächter erhielt ich neulich ein Schreiben.)



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Hesse, 20.08.1836. Spohr beantwortete diesen Brief am 17.09.1836.

[1] Für die Widmung des Duos op. 96 (vgl. Vorbrief).

[2] Vgl. Hesse an Spohr, 03.08.1836.

Kommentar und Verschlagwortung, wenn in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (11.12.2014).