Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,253
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 158f. (teilweise)

Sr. Wohlgeb.
Herrn Kapellmeister L. Spohr
Cassel.
in Hessen.


Frankfurt a/m, 15. August 1836.

Verehrter Freund!

Aus der Einlage1 ersehen Sie, daß der Verein in Kirchheimbolanden von Ihrer gef.(?)2 Offerte Gebrauch macht.3 – Haben Sie nun die Güte die Musikalien direct an K.4 F. Pilgeram zu senden.
Ich begreife übrigens nicht, woher die Leute die Partitur herbekommen haben.
Bei der hiesigen Liedertafel wünscht man so gerne einen Chor von Ihnen zu haben. Wären Sie wohl geneigt, etwas für diesen Verein zu componieren? Die Liedertafel besteht jetzt aus einigen 70 meistens guten mitunter ausgezeichneten Stimmen, und ihre Leistungen sind so vorzüglich, daß Mendelssohn, Hiller, Rossini u. Ries erklärten, nichts ähnliches in der Art gehört zu haben. Womöglich etwas kräftiges, erhabenes! Sie würden sich großen Dank u. Liebe erwerben.

Stets mit unveränderter Treue Ihr
WmSpy.

Erwähnte Personen: Hiller, Ferdinand
Mendelssohn Bartholdy, Felix
Pilgram, Franz
Ries, Ferdinand
Rossini, Gioachino
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Kirchheimbolanden
Erwähnte Institutionen: Donnersberger Musikverein <Kirchheimbolanden>
Liederkranz <Frankfurt am Main>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1836081532

http://bit.ly/1p555aJ

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Speyer, 01.08.1836. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Speyer an Spohr, 19.11.1836.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

[2] Abk. für gefälligen?

[3] Die Aufführung für Die letzten Dinge wurde am 24.08.1836 für den 08.09.1836 angekündigt (Rheinbayerisches Volksblatt (1836), S. 552).

[4] Hier wohl Abkürzung für „Kaufmann” (vgl. „Lokalmusikvereine der bairischen Pfalz”, in: Zeitschrift für Deutschlands Musikvereine und Dilettanten 2 (1842), S. 74f., hier S. 75).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.03.2016).

Frankfurt, 15. August 1836.

... Der hiesige Männergesangverein ,Liederkranz’ wünscht so gerne einen Chor von Ihnen zu erhalten. Wären Sie wohl geneigt, etwas für diesen Verein zu komponieren? Der ,Liederkranz’ besteht jetzt aus einigen siebzig meistens guten, mitunter ausgezeichneten Stimmen und seine Leistungen sind so vorzüglich, daß Mendelssohn, Hiller, Rossini und Ries erklärten, nichts ähnliches in der Art gehört zu haben. Womöglich etwas Kräftiges, Erhabenes! Sie würden sich großen Dank und Liebe erwerben ...