Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Scheibler:7
Druck: Wolfgang Arbogast, „Sieben Briefe von Johann Heinrich Scheibler (1777-1837) an Louis Spohr (1784-1859). Der Krefelder Fabrikant und Musikliebhaber an den Komponisten und Kapellmeister in Kassel“, in: Heimat. Krefelder Jahrbuch 63 (1992), S. 157-168, hier S. 166 und 168

Verehrtester Freund.

Seit Ihrer vorigjährigen Reise ist in Ihrem häuslichen Leben eine Veränderung geschehen die uns alle sehr interessiert hat, und an welcher wir, so wie die Familie v. Siebel in Ddorf den herzlichsten Antheil nehmen. Wir sind erfreut daß Sie fortfahren ein Haus zu machen wo keine Einseitigkeit einkehren wird, und bei Männern geschieht es wohl mit am leichtesten wenn sie sich mit tiefen Studien beschäftigen, und dann ermüdet sich allein fühlen. Es kostet dann wohl Überwindung mittheilend zu bleiben und sich dadurch den Genuß des Studiums frisch zu erhalten. Wie gesagt, wir freuen uns herzlich daß Sie nicht allein sein werden, – und in Ihrer Gemahlinn eine Gefährtinn gefunden haben welche selbst als Kennerinn ein anerkanntes Urtheil in Ihrer Wissenschaft und Kunst hat. – Glück auf.
Diese Veränderung ist dann auch wohl schuld daß Sie meiner Arbeiten noch nicht öffentlich gedacht, und ihnen leichten Eingang verschafft haben. Ich erlaube mir Sie daran zu erinnern, denn so lange keine Autorität selbst gesprochen, ist die Sache nicht anerkannt. Physikalisch hat meine Wissenschaft schon in mehreren Werken Eingang gefunden und ist als anerkannt ohne Opposition durchgegangen wozu die vorigjährige Versammlung in Bonn half. Das damals verfaßte Werkchen nebst den Stimmungstafeln für die Orgel, hat aber Zeichen der Höhe und Tiefe umgekehrt, a statt a, kurz die Striche über den Tönen gehören drunter und die darunter stehenden drüber. Ich bin es erst vor einigen Tagen gewahr worden, und werde den Käufern des Heftchens gratis andere Stimmtafeln schicken.
Seit 8 Tagen ist ein Professor von Cambridge1 mit seiner Frau hier, und will meine Sachen á fond studieren. In vier Wochen!! will er fertig sein!! Ich werde aber in 8 a 10 Tagen eine Reise nach Paris machen – also dersertieren.
In meiner Familie ist alles in Ordnung –, in 6 a 8 Wochen werde ich 2 Enkelchen haben.
Empfehlen Sie mich gütigst Ihrer Frau Gemahlinn und genehmigen meine herlichsten Grüße


Ihr
Hch Scheibler

Crefeld 30 Mai 36.

Autor(en): Scheibler, Heinrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Spohr, Marianne
Sybel, Amalie von
Sybel, Heinrich Philipp Ferdinand von
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Bonn
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1836053047

http://bit.ly/3pTmKmJ

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Scheibler an Spohr, 01.08.1835.

[1] Noch nicht ermittelt.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.06.2021).