Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr,L. 41

Seiner Wohlgeb.
dem Herrn Kammermu-
sikus A. Leibrock
in
Braunschweig.

franco.


Kassel den 28sten
October 1835

Wohlgeborener Herr,

den Grund, warum H Schmidt1 Ihnen Ihre Musik zu, „die Räuber” noch nicht zurückgeschickt hat, kann ich nach Durchlesung Ihres geehrten Schreibens leicht errathen; er war in Verlegenheit wegen des, ihnen zugesagten Honorars, indem davon zwischen ihm und mir nie die Rede war. Wie im Frühjahr die Räuber angesetzt waren, sprach mir H S. mit großem Lobe von Ihrer Musik zu diesem Trauerspiel und äußerte den Wunsch, daß ich durch sie Ihr ausgezeichnetes Kompositionstalent kennen lernen möge. Zugleich erbat er sich, Partitur und Stimmen zu der angesezten Aufführung von Ihnen zu erborgen. Dieß konnte mir nur angenehm seyn und ich sorgte, nach Ankunft Ihrer Musik, daß Sie genau und sorgfältig eingeübt wurde. Der Erfolg rechtfertigte Herrn Schmidts Vorliebe, denn sie hatte sich des allgemeinsten Beyfalls aller der Leute, die etwas davon verstehen zu erfreuen. Auch ich erfreute mich sehr der Charakteristik und feinen Intentionen dieser Komposition. – Gleich nach jener Aufführung gab ich die Musik an Herrn Schmidt zurück, mit dem Auftrage, sie Ihnen zurückzusenden und unseren Dank auszusprechen.
Ich würde nun, nach Empfang Ihres Schreibens noch nachträglich auf ein Honorar bey der Intendanz anfragen, aber 1.) besitzen wir bereits eine Musik zu „den Räubern” und 2.) ist die Rechnung unsers Theaterjahrs am 1sten October bereits geschlossen; so daß nun keine Rechnung mehr angenommen wird. Ich bin daher außer Stande, Herrn Schmidts voreilige Zusage zu verwirklichen.
Daß Ihnen Ihre Musik nun mit erster fahrender Post zugeschickt werde, dafür werde ich Sorge tragen.
[M]it vorzüglicher Hochachtung

Ew. Wohlgeb
ergebenster
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Schmidt, Heinrich Maria
Erwähnte Kompositionen: Leibrock, Joseph Adolph : Die Räuber
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835102815

http://bit.ly/24ZnRAu

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf einen derzeit verschollenen Brief von Leibrock an Spohr.

[1] Noch nicht eindeutig identifiziert. Der Kontext des Briefs legt nah, dass es sich um ein Mitglied des Hoftheaters handelt. Hier kämen in Frage: der Schauspieler Carl Schmidt (vgl. Kurfürstlich Hessisches Hof- und Staatshandbuch auf das Jahr 1835, Kassel [1835], S. 92; Christian Preime, Casselsches Adreßbuch für das Jahr 1835, Kassel 1835, S. 199; Reinhard Lebe, Ein deutsches Hoftheater in Romantik und Biedermeier. Die Kasseler Bühne zur Zeit Feiges und Spohrs (= Kasseler Quellen und Studien 2), Kassel 1964, S. 99); der Sänger Heinrich Maria Schmidt (vgl. Hof- und Staatshandbuch, S. 92; Adreßbuch, S. 198), sowie der Hoftheaterschneider Ludwig Schmitt (vgl. Hof- und Staatshandbuch, S. 94; Adreßbuch, S. 200). Davon scheint Heinrich Maria Schmidt am wahrscheinlichsten, der vor seiner Verpflichtung nach Kassel von 1830-1833 am Hoftheater Braunschweig engagiert war (vgl. K.J. Kutsch und Leo Riemens, Großes Sängerlexikon, 4. Aufl., Bd. 6, München 2003, S. 4225).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (18.05.2016).