Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,250
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 148f. (teilweise)

Frankfurt 12. Octb 1835.

Empfangen Sie Theurer Freund unsere Glückwünsche. Sie sind wohl überzeugt, welchen innigen Anteil ich und die Meinigen an alledem nehmen was Sie betrifft. Es bedarf daher nicht vieler Worte. Möge der Himmel Ihnen das Beste, eine stille ungetrübte Häuslichkeit verleihen und Ihnen Ersatz geben für den großen herben Verlust den Sie erlitten.
Leider wurde die Freudenbotschaft, die Sie uns sandten, getrübt durch einen schmerzvollen Todesfall in unserer Familie. Meine Schwägerin Basse ist in diesen Tagen begraben worden. Sie haben sie wohl gekannt. Geschmückt mit äußeren Vorzügen und seltenen Gaben des Geistes und Herzens, ein wahrer Engel in Menschengestalt, unterlag sie einer Brustkrankheit. Dieses hat uns allen vielen Kummer gebracht. Sie hinterläßt 5 Kinder.
Ihren Empfohlenen, Herrn Curschmann, habe ich, soviel es die Trauertage zuließen, allem Bemerkenswerthen zugeführt. Auch uns hat er durch den Vortrag seiner Lieder sehr erfreut. Die Anwesenheit Lipinskis1 veranlaßt oft Quartetten, welchem er beiwohnte. Sie haben ihn wohl schon früher gehört. Er ist ein tüchtiger Künstler und verschmäht es mit Äußerlichkeiten zu glänzen. Im Vortrag ist manches veraltet, allein Ton, Sicherheit und Reinheit, sind vortrefflich.
Ich laß jüngst eine Ankündigung Ihres Oratoriums, allein hier, wo ich es überall suchte, konnte ich es nicht erhalten. Dem kleinen Kessler habe ich Ihre Mittheilung angezeigt.

Leben Sie wohl verehrter Freund, u. behalten lieb
Ihren WmSpy.

Erwähnte Personen: Basse, Polyxene
Curschmann, Friedrich
Kessler, Ferdinand
Lipiński, Karol
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835101232

http://bit.ly/1SwjdFZ

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Spohr an Speyer, 30.09.1835. Spohr beantwortete diesen Brief am 02.11.1835.

[1] Zu Lipinski in Frankfurt vgl. „Mancherley”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 37 (1835), Sp. 689.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (08.03.2016).

Frankfurt, 12. Oktober 1835.

Empfangen Sie, teurer Freund, unsere Glückwünsche. Sie sind wohl überzeugt, welchen innigen Anteil ich und die Meinigen an alleedem nehmen was Sie betrifft. Es bedarf daher nicht vieler Worte. Möge der Himmel Ihnen das Beste, eine stille ungetrübte Häuslichkeit verleihen und Ihnen Ersatz geben für den großen, herben Verlust den Sie erlitten! ...
Leider wurde die Freudenbotschaft, die Sie uns sandten, getrübt durch einen schmerzvollen Todesfall in unserer Familie. Meine Schwägerin Basse ist in diesen Tagen begraben worden. Sie haben sie wohl gekannt. Geschmückt mit äußeren Vorzügen und seltenen Gaben des Geistes und Herzens, ein wahrer Engel in Menschengestalt, unterlag sie einer Brustkrankheit. Dieses hat uns Allen vielen Kummer gebracht ...
Ihren Empohlenen, Herrn Curschmann, habe ich, soviel es die Trauertage zuließen, allem Bemerkenswerten zugeführt, auch uns hat er durch den Vortrag seiner Lieder sehr erfreut. – Die Anwesenheit Lipinskis veranlaßte öfteres Quartettspielen, welchem er beiwohnte. Sie haben ihn wohl schon früher gehört. Er ist ein tüchtiger Künstler und verschmäht es, mit Äußerlichkeiten zu glänzen. Im Vortrag ist manches veraltet, allein Ton, Sicherheit und Reinheit, sind vortrefflich ...