Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287

Sr. Wohlgeboren
dem Herrn Capellmeister L. Spohr
in
Cassel.

frei1


Wohlgeborner Herr,
Hochgeehrtester Herr Capellmeister!

Der Unterzeichnete laß einen Bericht über Ihr neuestes Werk: „des Heilands letzte Stunden“, in der Leipziger allgemeinen musikalischen Zeitung, und in einem spätern zu ihr gehörigen Intelligenzblatte mit Vergnügen Ihre Subskriptions-Einladung zu dem von Ihnen verfertigten Clavierauszuge des Oratoriums. Ich wollte Sie bitten, mir vier Exemplare von dem letzten zu dem Subscriptionspreise von 4 Thaler P.C. a St(?) über Leipzig zukommen zu lassen. Indem ich Ihnen mich damit als Beförderer der Subscription gern empfehlen möchte, haben Sie auch wohl die besondere Güte, Ihr in der Subscriptions-Einladung gemachtes Versprechen auch auf mich auszudehnen, und mir die Partitur gegen dankbare Ersttattung der Copialgebühren zukommen zu lassen! ich werde mit Vergnügen jede Gelegenheit zur weiteren Beförderung der Subscription ergreifen, und verspärche Ihnen ehrlich, Ihrem Interesse gemäß durchaus keinen Mißbrauch der Partitur zu machen. Sie haben auch wohl die Güte, von Cassel aus das Paket durch den Buchhandel-Verkehr unter meiner Adresse an H. Herbig in Leipzig abgehen zu lassen, welcher selbiges als Beischluß an die Hofbuchhandlung des H. C. Dümmler in Neustreliz und Neubrandenburg auf Ihre gütige Anweisung besorgen wird. Doch bitte ich um möglichst schnelle Abschrift der Partitur, damit die Ankunft der Clavierauszüge, die ich mir mit jener in demselben Pakete erbitte, nicht zu lange verzögert werde.
Die Subscriptions- und Copialkosten haben Sie wohl die Güte durch den Buchhandl-Verkehr in Empfang zu nehmen, und, im Fall Sie dabei Bedenken tragen, die Dümmlersche Hofbuchhandlung anzuweisen, daß sie das Paket nur gegen Empfang des obigen Betrags an mich auszuhändigen hätte. Doch würde letztere gewiß alle Verantwlrung auf such nehmen.
Schließlich wollte ich Ihnen doch die herzliche Freude aussprechen, die ich in den spätern Jahren Ihre „letzten Dingen“ und „Vater uns“ und die in den frühern in Göttingen gehörten Instrumental-Werke verdanke. Als ehemaliger Forkelscher Schüler habe ich dort die Ausführung der Letzteren veranlaßt, und komme ich einmal in eine bleibende vollkommene musikalische Umgebung, die bei der Ausführung Ihrer spätern Instrumental-Werke vorausgesetzt wird,so werde ich mich sehr glücklich schätzen.
Unbekannterweise Ihnen mich bestens empfehlend, verharre ich in vollkommenster Hochachtung als

Ew. Wohlgeboren
ganz ergebenster
Schwinning.
Friedland (Mecklenb Strelitz)
15 September. 1835.

Erwähnte Personen:
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Spohr, Louis : Vater Unser, WoO 67
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835091547

http://bit.ly/35ZabuK

Spohr



Ein Antwortbrief Spohrs ist derzeit nicht bekannt, mit Blick auf Carl Loewe an Spohr, 23.12.1835 aber wahrscheinlich.

[1] Auf dem Adressfeld befinden sich die Poststempel „FRIEDLAND / 15. SEPT. 1835“, „BERLIN / 18/9 / 7-8“ und „21 SE[P] 1835“.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (16.01.2020).