Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 2° Ms. mus. 1500[Sp. 75,30
Druck: Karl Traugott Goldbach, „,Wir haben zwei Sonntage heiter miteinander bey mir Ihr Octett gemacht‘. Anmerkungen zu einem bisher unveröffentlichten Brief von Louis Spohr an Felix Mendelssohn Bartholdy“, in: Mendelssohn-Studien 20 (2017), S. 127-134, hier S. 130
[Beleg 1: A Collection of Choice Manuscripts, Incunables, Books of Hours, Maps Music Autographs, Woodcut Books. In commemoration of the 50th anniversary of Ludwig Rosenthal‘s Antiquarian Book store (= Katalog Rosenthal 130), München 1909, S. 42]
Beleg 2: Handschriften & Miniaturen aus Europa, Asien und Afrika VIII.-XIX. Jahrhundert (= Katalog Rosenthal 155), München o.J., S. 68
Beleg 3: Josef Viktor Widmann und kostbare Musik-Autographen und -Manuscripte, z.T. aus den Nachlässen von Felix Mottl und A.W. Gottschalg (= Katalog Liepmannssohn 41), Berlin 1913, S. 124

Wohlgeborner,
Hochgeehrter Herr,

Indem ich mir die Freiheit nehme Ew. Wohlgeb. beyliegend eine Einladung zur Subscription auf mein neues Oratorium zu übersenden, verbinde ich damit die ergebenste Bitte, dieselbe bey den Mitgliedern des dortigen Gesangvereins und andern Freunden von der Vokalmusik cirkuliren zu lassen und sich der Einsammlung von Unterschriften gütigst unterziehen zu wollen, für welch Mühwaltung ich bey 6 Unterschriften ein Freiexemplar zu geben, mich erbiete.
Mit vorzüglichster Hochachtung habe ich die Ehre zu seyn

Ew. Wohlgeb.
ergebenster
Louis Spohr

Cassel, den 14ten Mai
1835.1

Schon längst hatte ich die Absicht, geehrtester Herr u. Freund, Ihnen über die Aufführung meines Oratoriums zu berichten aber immer wurde ich durch dringende Theatergeschäfte und dringende Geschäftscorrespondenz davon abgehalten. So mag es nun auch entstehen, bis ich Ihnen mündlich davon erzählen kann. Nur so viel, daß alles glücklich von statten ging und dem ungewöhnlich zahlreichen Publikum so sehr gefiel, daß ich vielfältig Aufforderungen an mich ergangen sind, das Werk am 1sten Pfingsttage, Abends zu wiederholen, was denn auch, wenn der Prinz seine Einwilligung gibt, geschehen wird.
Wir haben zwei Sonntage2 heiter miteinander bey mir Ihr Octett gemacht und sind durch diese geistvolle, ächt romantische Komposition, besonders das 2te mal ganz hingerissen worden! Über alles gefällt mir der 2te Theil des 1sten Allegro und das Andante. Über dieses Werk sowie über die ganze Kompositionsgattung mündlich das weitere.
Ich denke Dienstag den 16ten Juni von hier abzureisen und werde daher den 18ten in Düsseldorf eintreffen. Ich freue mich sehr darauf einige Tage mit Ihnen zusammen zu seyn.
Sie werden jetzt wohl schon mit Vorbereitungen zum Musikfest beschäftigt seyn. – Madame Lampmann Rottmaier der sie die Ehre zugedacht hatten, dort zu singen3, ist gestern abend in Folge ihrer Niederkunft gestorben.4 Wie verlieren an ihr eine Sängerin mit herrlicher Stimme und guter Schule.
Leben sie recht wohl. Auf fröhliches Wiedersehn
Ganz der Ihrige
L. Spohr

Wenden Sie gefälligst um

Im Begriff auch ein Circular nach Aachen zu schicken fällt mir ein daß ich dort niemand kenne, an den ich mich deshalb wenden könnte. Da Sie nun ohne Zweifel den Dirigenten des dortigen Gesangvereins kennen, so wage ich noch die Bitte, daß Sie den einliegenden Brief und eines der Circulare convertieren und an ihn oder eine andere geeignete Person Ihrer dortigen Bekanntschaft gütigst senden wollen
Sp.

Erwähnte Personen: Lampmann-Rottmayer, Julie
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte: Düsseldorf
Erwähnte Institutionen: Gesangverein <Aachen>
Niederrheinische Musikfeste <verschiedene Orte>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835051411

http://bit.ly/2mCeQlu

Spohr




Der letzte erschlossene Brief dieser Korrespondenz ist Mendelssohn an Spohr, 15.04.1835. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Mendelssohn an Spohr, 24.11.1836.

[1] Bis hier außer der Unterschrift lithografierter Text der Subskriptionseinladung.

[2] Den Briefen von Moritz Hauptmann an Franz Hauser zufolge fanden diese Aufführungen am 5. und 19.08. statt:
„Dann mein ich aber auch oder fürchte, ich bin dem Mendelssohn nicht productiv, nicht frisch genug, er ist es so durch und durch. Nächsten Sonntag früh machen wir bei Spohr sein Octett [...]” (Moritz Hauptmann an Franz Hauser, 03.04.1835, in: Briefe von Moritz Hauptmann an Franz Hauser, hrsg. v. Alfred Schöne, Bd. 1, Leipzig 1871, S. 153-158, hier S. 153.
„Wir haben heut’ das Octett von Mendelssohn wieder gemacht, wenn es aber noch einmal gespielt wird, gebe ich meine 3te Geige ab und höre zu – ich komme so zu keinem Urteil” (Hauptmann an Hauser, 17. und 19.04.1835, in: ebd., S. 158-164, hier Eintrag 19. 04., S. 162).

[3] Vgl. Mendelssohn an Spohr, 08.03.1835.

[4] Vgl. „Cassel, im Juni”, in: Allgemeine musikalische Zeitung 37 (1835), Sp. 495-498 und 515-518, hier Sp. 496.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (25.09.2019).