Autograf: Spohr Museum Kassel, Sign. Sp. ep. 1.1 <18350514>

Wohlgeborner,
Hochgeehrter Herr,

Indem ich mir die Freiheit nehme Ew. Wohlgeb. beyliegend eine Einladung zur Subscription auf mein neues Oratorium zu übersenden, verbinde ich damit die ergebenste Bitte, dieselbe bey den Mitgliedern des dortigen Gesangvereins und andern Freunden von der Vokalmusik cirkuliren zu lassen und sich der Einsammlung von Unterschriften gütigst unterziehen zu wollen, für welch Mühwaltung ich bey 6 Unterschriften ein Freiexemplar zu geben, mich erbiete.
Mit vorzüglichster Hochachtung habe ich die Ehre zu seyn

Ew. Wohlgeb.
ergebenster
Louis Spohr

Cassel, den 14ten Mai
1835.

NS. Indem ich Sie nun bitte, mein lieber Freund sich meiner Angelegenheit in Breslau gütigst anzunehmen, wünschte ich auch, daß Sie Ihre Liste in den übrigen Schlesischen Städten, in denen es mir leider ganz und gar an Bekanntschaft fehlt, schicken könnten. Ferner bitte ich Sie, daß Sie einen der Briefe nebst einer Liste an den Direktor Ihres dortigen Gesangvereins, Herrn Mosevius, gefälligst abgeben wollen.
Wie steht es um Ihre diesjährigen Reiseprojekte? werden wir die Freude haben, Sie hier zu sehen? Ich denke mit meinen beyden Mädchen1 den 16ten Juni eine Rheinreise bis nach dem Haag zu machen und in Scheweningen2 Seebäder zu nehmen, wenn das Wetter günstig ist. Ende Juli kommen wir zurück.
Schreiben Sie mir doch bald was Sie diesen Sommer vorhaben. Vom Oratorium schreibe ich Ihnen nichts, da meine Schwägerin dies übernommen hat. Ich wollte, Sie könnten am Pfingsttage hier seyn, wo wir eine 2te Aufführung haben werden.
Dies Werk hat mir in meinem Leiden großen Trost gewährt, obgleich die Erinnerung an die Theilnahme, welche die Seelige diesem Werke ganz besonders widmete, mich immer von neuem schmerzlich ergreift.3
Leben Sie wohl und erfreuen Sie mich bald mit Nachrichten.
Mit wahrer Freundschaft

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Mosewius, Theodor
Scheidler, Wilhelmine
Spohr, Dorette
Spohr, Therese
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte: Scheweningen
Erwähnte Institutionen: Singakademie <Breslau>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1835051401

http://bit.ly/1CPLpw4

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Hesse, 05.01.1835. Hesses Antwortbrief ist derzeit verschollen.

[1] Spohrs Tochter Therese und seine Schwägerin Wilhelmine Scheidler begleiteten Spohr auf dieser Reise (vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 2, S. 164f., Text mit fehlerhafter Paginierung auch online; ders., Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 202).

[2] Spohr spricht in seinen Lebenserinnerungen von Zandford statt von Scheweningen (ebd.).

[3] Spohrs Frau Dorette starb während der Komposition an Des Heilands letzte Stunden am 20.11.1834 (vgl. Spohr, Lebenserinnerungen, Bd. 2, S. 163f.; ders. Selbstbiographie, Bd. 2, S. 200f.).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (29.12.2014).