Autograf: bis mindestens 1943 im Besitz von Werner Wittich, danach Kriegsverlust (vgl. Druck, S. 14)
Druck: Louis Spohr, Briefwechsel mit seiner Frau Dorette, hrsg. v. Folker Göthel, Kassel und Basel 1957, S. 86

Wilhelmshöhe, Donnerstag Mittag
[20. November 1834]

Liebes Minchen,

Auf Therese hat die allmähliche Enthüllung unsres Unglücks dennoch einen fürchterlichen Eindruck gemacht und das arme Mädchen weiß sich noch gar nicht zu fassen! Am heilsamsten würden wir beide durch Arbeit zerstreut werden; ich bitte Dich daher, uns durch den Boten, der Dir diese Zeilen überbringt, folgendes zu überschicken:
1.) Mein Oratorium. a, Klavierauszug b, Partitur, Soweit sie fertig ist. c, liniertes Papier (im Wandschrank bei den Quartetten) und d, den Text von Theresens Hand geschrieben.
2.) Eine Lage Brief- und Schreibpapier, die Federmesser, Gummi, Oblaten, mein Petschaft, die Schere und einige Federn.
3.) Die französische Grammaire, den Cours des langues und Théâtre de Société für Therese.
4.) Schwarze Seide und Nähzeug.
Wenn Wolff etwas zu lesen beilegen könnte, würden wir sehr dankbar sein.
Vergiß nichts, liebes Minchen. Bald hoffen wir Euch zu sehen

Dein Louis Spohr

NS. Der Prinz hat mir durch Herrn von Malsburg sein und der Gräfin1 Beileid bezeugen lassen. Der Bote soll ja meine Antwort an Herrn von Malsburg richtig besorgen.

Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Gertrude Hessen-Kassel, Kurfürstin
Malsburg, Otto von der
Spohr, Dorette
Spohr, Therese
Wolff, Johann Heinrich
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1834112000

http://bit.ly/2nPsVYN

Spohr



Die Datierung auf „Donnerstag Mittag“ legt nahe, dass dieser Brief am Todestag von Dorette Spohr entstand.

[1] Die spätere Kurfürstin Gertrude.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (21.03.2017).