Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,155
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 143f. (teilweise)

Sr. Wohlgeb
Herrn Wilhelm Speyer
in
Frankfurt a/m


Cassel den 20sten
Juni 1834.

Geliebter Freund,

Ich bitte um freundliche Aufnahme des Überbringers dieser Zeilen, eines höchst talentvollen jungen Knaben von 12 Jahren, Hermann Cohen aus Hamburg, der bisher Schüler von Jacob Schmidt war und nun zu seiner weiteren Ausbildung auf einige Jahre mit seiner Mutter nach Paris geht. – Besonders würde er Ihnen sehr dankbar seyn, wenn Sie ihm einige gute Empfehlungen nach Paris, (vielleicht von H. v. Rothschild) verschaffen könnten. – Der Knabe war mir sehr empfohlen; ich konnte aber weiter nichts für ihn thun, als ihm einen Brief an Kalkbrenner mitgeben.1
Über Robert der Teufel muß ich Ihnen einmal weitläufig schreiben; jetzt ist die Zeit zu kurz. Die Oper hat ganz herrliche Nummern, aber auch des Trivialen und Gestohlenen sehr vieles! – Ich schreibe jetzt ein großes Oratorium, Text von Rochlitz. Der erste Theil wird in diesen Tagen fertig.
Unsere Oper wird im Herbst wieder einige neue vorzügliche Mitglieder gewinnen und dann schon zu den besten Deutschlands gehören.
Sie macht mir viel Arbeit, aber auch viel Freude.
Ende dieses Monaths beginnen unsere Ferien. Außer einer kl. Reise zu meinen Eltern, werde ich nicht abwesend seyn, sondern fleißig an meinem Oratorium arbeiten, wozu ich leider bisher wenig Zeit erübrigen konnte.
Herzliche Grüße von uns [allen] an die lieben Ihrigen. Mit [herz]licher Freundschaft stets ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Cohen, Hermann
Kalkbrenner, Friedrich
Rochlitz, Friedrich
Rothschild, James von
Schmitt, Jacob
Spohr, Carl Heinrich
Spohr, Ernestine
Erwähnte Kompositionen: Meyerbeer, Giacomo : Robert le diable
Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Erwähnte Orte: Gandersheim
Kassel
Paris
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1834062002

http://bit.ly/1M2ykjS

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Spohr an Speyer, 17.02.1834. Speyer beantwortete diesen Brief am 01.07.1834.

[1] Dieser Brief ist derzeit verschollen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (07.03.2016).

Cassel, 20. Juni 1834.

Über ,Robert der Teufel’ muß ich Ihnen einmal weitläufig schreiben, jetzt ist die Zeit zu kurz. Die Oper hat ganz herrliche Nummern, aber auch des Trivialen und Gestohlenen sehr vieles.
Ich schreibe jetzt ein großes Oratorium, ,Des Heilands letzte Stunden’, Text von Rochlitz. Der erste Teil wird in diesen Tagen fertig ...