Autograf: letzter Nachweis siehe Inhaltsangabe
Druck: Karl Brethauer, „Unbekannte Briefe von Louis Spohr (1833/1834), in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 80 (1969), S. 263-270, hier S. 267f.
Inhaltsangabe: 70. Auktion: 18. und 19. November 1968. Bücher, Autographen. Schiffsmodelle, dekorative Graphik, Hamburgensien (= Katalog Dörling 70), Hamburg 1968, S. 91


Sr. Wohlgeb.
dem Herrn Landesgerichtsassessor Augustin
Halberstadt

nebst einem Paquet Musikalien in Wachstuch gez.: H.A.A.


Cassel den 3ten Aprill 1834

Wohlgeborener
Hochgeehrter Herr,

Beykommend erhalten Sie die Orchester-Stimmen zum Oratorium1 mit dem herzlichsten Dank zurück. Da ich noch eine Anzahl Ripienstimmen besaß, so reichten sie für unsere Besetzung vollkommen aus. Die Aufführung des Oratoriums nebst dem Vater-Unser fand am Charfreitage Abend bey beleuchteter Kirche statt und fiel in jeder Hinicht äußerst gut aus. Ich hörte zum ersten mal beyde Kompositionen hintereinander und fand, daß meine Absicht, bey der Komposition des V.U. dem Oratorio einen passenden 3ten Theil zu geben, damit es die gehörige Länge zu einer Aufführung erhalte, vollkommen erreicht sey.
Die, von Ihnen bezeichneten, Nummern aus meinen Opern habe ich in Partitur schreiben lassen und lege sie bey. Die eine (ein Trio in g-moll) war aber nicht aufzufinden; es muß da eine Verwechslung stattfinden. Der Betrag für die Ausschreibegebühren laut Rechnung, (welche im Paquet liegt) 9 Rth 7 gr nehme ich auf Ihren Wunsch als Postvorschuß; doch rechne ich 7 gr Porto ab, weil das Paquet mit den Stimmen hieher so viel gekostet hat.
Sollte Herr Rose in Quedlinburg sich an Sie mit der Bitte wenden, ihm einige dieser Sachen kopieren zu lassen, so bitte ich, seinem Wunsche zu willfahren, da er auch, für seine Tochter, aus meinen Opern verlangt hat; unsere Copisten eben jetzt so beschäftigt für das Theater sind, daß ich die Sachen nicht doppelt konnte schreiben lassen.
Daß Sie mit den Leistungen des Herrn Maier bis hieher so zufrieden waren, freuet mich ungemein. Möge es fortwährend der Fall seyn! In diesem Jahre werde ich keinem der projektierten Musikfeste beywohnen können, da unsere Ferien erst den 1ten Juli beginnen. Ja, es ist noch überhaupt zweifelhaft, ob ich eine Ferienreise mache, da ich eine Arbeit begonnen habe, (ein großes Oratorium2) welche mich sehr fesselt.
Unter den herzlichsten Empfehlungen an die lieben Ihrigen mit wahrer Hochachtung und Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Augustin, Luther
Erwähnte Personen: Maier, August
Rose (Sängerin)
Rose, Johann David
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Des Heilands letzte Stunden
Spohr, Louis : Die letzten Dinge
Spohr, Louis : Vater Unser, WoO 67
Erwähnte Orte: Kassel
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Kassel>
Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1834040317

http://bit.ly/3gq9Wiz

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Augustin an Spohr, 23.02.1834. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Augustin an Spohr, 25.07.1835.

[1] Die letzten Dinge.

[2] Des Heilands letzte Stunden.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (26.05.2020).