Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Ms. ep. Spohr-Correspondenz. 2,117
Druck: [Ernst Rychnovsky], Beschreibendes Verzeichnis der Autographen-Sammlung Fritz Donebauer in Prag, 2. Aufl., Prag 1900, S. 182 (teilweise)

Braunschweig, am 24. Januar 1834

Theurer Freund!

Ein Jünger unsrer göttlichen Musica, der Sohn1 des hies. Medicinalrath Cramer2, beabsichtigt, seine angefangenen Musikstudien unter Ihrer Leitung fortzusetzen, und bittet mich zu diesem Behufe, ihm einige empfehlende Zeilen für Sie mitzugeben. Wie gern thue ich das, da er es in jedem Sinne verdient, sowohl was sein Streben, sein Talent und sein ganzes Wesen betrifft. Er hat schon recht wackre Vorstudien auf der Violine gemacht, ist ein ziemlich gewandter Clavierspieler (die letzte Zeit habe ich ihm selbst Unterricht gegeben) und hat auch Anlage zur Composition. Diese drei Beziehungen nun will er unter Ihrer Ober- und resp. Specialanleitung in Caßel cultiviren, und hoffentlich erlauben es die Verhältniße, daß Sie sich seiner recht lebhaft annehmen. Ihre hies. Brüder kennen die Familie, und werden sich also auch in diesem Sinne für den jungen Aspiranten verbürgen und verwenden. Alles Nähere wird der Vater des jungen Mannes selbst mit Ihnen verabreden; diese Zeilen sollten Sie nur im Allgemeinen günstig für ihn vorbereiten.
Noch eine Anfrage: Ist etwa bei Ihnen ein ausgezeichneter Clarinettist disponibel, so sagen Sie ihm doch, daß zu Ostern hier eine Vacanz des 1ten Clarinettisten eintritt. Unser Tretbar geht leider nach Weimar, da seinem Eigensinn unsre Anerbietungen nicht genügen.3 Sollte ein durchaus guter Künstler der bezeichneten Art bei Ihnen seyn, der abkommen könnte, so wünsche ich, daß er sich mit mir in Correspondenz setzte. Es werden mehrere zur Concurrenz kommen und eine Concert- und Orchester-Probe wird für den besten entscheiden.
Mich verlangt herzlich, von Ihnen etwas zu ersehnen, auch wie sich Ihr Theater gestaltet? Erfreuen Sie mich also doch mit einigen Zeilen; dann will ich Ihnen zur Belohnung auch etwas über meinen Brautstand melden, der zu Ostern, gel. Gott! in einen glücklichen Ehestand sich verwandeln soll. Eine schönre Stimme hörten Sie wohl nie, als die meiner süßen Emilie, und ihr Talent für’s Theater im Allgemeinen wiederholt sich wohl auch nicht oft. Ihre Jessonda – Amazili würde selbst Sie befriedigen.
Soll sie im Juny bei Ihnen gastiren, so richten wir uns ein; es sind schon weitre Anfragen deshalb an mich gelangt. Sie sollen den Vorzug haben.
Doch nun genug – addio caro, Grüße, und zwar herzliche, den Ihren von

Ihrem artig getreuen Fr.
AMethfeßel

Erwähnte Personen: Cramer, August
Cramer, August Heinrich
Methfessel, Emilie
Tretbar, Ferdinand
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Braunschweig
Kassel
Erwähnte Institutionen: Hofkapelle <Braunschweig>
Hofkapelle <Weimar>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1834012443

http://bit.ly/2JnpoLc

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Methfessel an Spohr, 22.05.1833. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Methfessel an Spohr, 07.12.1851.

[1] August Cramer

[2] August Heinrich Cramer.

[3] Ferdinand Tretbar blieb offensichtlich in Braunschweig (vgl. Schlagworteintrag).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Götz Methfessel (24.04.2017).