Autograf: Stanford University Music Library (US-STum), Sign. MLM 979E

Sr. Wohlgeb
Herrn Tobias Haslinger
k.k. Hof- und priv. Kunst-
und Musikhandlung
in
Wien

franco. Grenze.1


Cassel den 18ten
November 1833.

Geehrtester Herr u Freund,

Sie müssen es Ihrer, nun schon von mir erlebten Gefälligkeit zuschreiben, daß ich Sie abermals mit einer Bitte bestürme, und mir deshalb nicht zürnen, da ich niemand in Wien weiß, an den ich mich2 wenden könnte.
Unser Hof hat nämlich viel günstiges von dem Talent der Dlle Clara Heinefetter gelesen und gehört, daß er mir Auftrag gegeben hat, diese Sängerin, wo möglich, für unser Hoftheater zu gewinnen.
Bevor ich mich aber direkt an sie selbst wende, wünschte ich über folgende Fragen Auskunft zu haben und bin dafür so frei, Sie um deren günstige Beantwortung ergebenst zu bitte.
1.) Eignet sich das Gesangtalent der Dlle Clara Heinefetter zu genannten ersten Parthien, wie Donna Anna, Gräfin in Figaro, Jessonda u.s.w.?
2.) Ist ihre Ausbildung als Sängerin schon weit fortgeschritten?
3.) Wie ist ihre Persönlichkeit und wie alt ist sie?
4.) Auf wie lange ist sei dort vertraglich engagirt und mit welchen Bedingungen? (Wo wohnt sie?)
5.) Wie verhelt(?) sich ihr Talent zu dem der Dlle Lutzer? (welche ich in Prag gehört habe.3) Ist diese4 von Duport5 gewonnen oder kehrt sie nach Prag zurück?
Wenn Sie die Güte haben wollten, zur Beantwortung dieser Fragen, Erkundigungen einzuziehen, so wünschte ich, daß dabey meiner und meiner Absicht nicht erwähnt würde, weil mir dieß sonst später die Sache erschweren würde. – Sollten es Ihre Geschäfte erlauben, so würden Sie mich durch eine recht baldige Antwort außerordentlich verbinden.
Ist der Titel des Walzers6 noch nicht abgedrukt, so bezeichnen Sie ihn gefälligst Oeuvre 89.
Unser neues Hoftheater i[st am] 10ten dieses eröffnet werden. [Heute] geben wir die 3te Oper. Die beyden ersten sind mit großen Beyfall aufgenommen worden und wir dürfen uns gratuliren, in so kurzer Zeit, eine, in manchem Betreff so gutes Opernpersonal zusammen gebracht zu haben! – Auch das Schauspiel zählt tüchtige Mitglieder.
Mit wahrer Hochachtung und herzlicher Freundschaft ganz

der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Dingelstedt-Lutzer, Jenny
Duport, Louis
Heinefetter, Clara
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Erinnerung an Marienbad
Erwähnte Orte: Kassel
Prag
Wien
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Hoftheater am Kärntnertor <Wien>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833111822

http://bit.ly/2prU5sL

Spohr



Dieser Brief folgt in dieser Korrespondenz auf Spohr an Haslinger, 04.11.1833. Haslinger beantwortete diesen Brief am 08.03.1834.

[1] Auf diesem Blatt auch von anderer Hand Empfangsvermerk des Verlags: „Spohr in Casssel. / 18. Nov. 1833 / erhalten – 24 Nov. / beantw. - 8 Merz 834.”

[2] Hier gestrichen: „deshalb”.

[3] Vgl. Louis Spohr an Dorette Spohr, 21.07.1833.

[4] Hier gestrichen: „für”.

[5] Louis Duport war Pächter des Kärtnertortheaters in Wien.

[6] Erinnerung an Marienbad.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (24.04.2017).