Autograf: nicht ermittelt
Druck 1: „Notiz“, in: Literarisches Notizenblatt [Beilage zur Abend-Zeitung <Dresden>] (1833), S. 360 (teilweise)
Druck 2: „Rechtfertigung“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 35 (1833), Intelligenzblatt Sp. 57f. (teilweise)
Druck 3: „Aus Erfurt. Spohr‘s Brief“, in: Zeitung für die elegante Welt 33 (1833), S. 908 (teilweise)

Hochverehrter Herr und Freund!

[...] Sie werden mich daher gütigst entschuldigen, wenn ich mich über den Inhalt Ihres lieben Briefes nur kurz ausspreche.
Mad. Schmidt hat von der Natur eine sehr schöne, reine, klingende und dem Ohre äusserst wohl thuende Stimme erhalten. Diese Stimme besitzt bis jetzt (ich hörte Mad. S. zuletzt bey dem diessjährigen Musikfeste in Halberstadt1) alle den jugendlichen, ich möchte sagen jungfräulichen Klang der frühern Zeit, wenn gleich Mad. S. sich jetzt vielleicht etwas mehr anstrengen muss. Alles, was ich in Halberstadt von Mad. S. hörte, nämlich: die Soli‘s in den Kirchenstücken und ein Duett aus Jessonda (die Arie aus Titus sang sie im Theater, wo ich weder bey der Probe, noch bey der Aufführung gegenwärtig seyn konnte), wurde mit guter Schule und einem natürlichen Gefühl vorgetragen. Mir that diess natürliche sehr wohl, da mir die überschwengliche und affectirte Gesangsweise der modernen Theatersänger im höchsten Grade zuwider ist. In der Kirche übernahm sich Mad. S. einige Male zu sehr und sang dann etwas zu hoch; im Concert-Saale bemerkte ich das nicht. Jedenfalls gehört Mad. S. unter die wenigen guten Sängerinnen, die wir jetzt in Deutschland besitzen, und für den ernsten Kirchen- und Concertgesang wüsste ich kaum eine bessere. [...]

Cassel, den 24sten October 1833.

Der Ihrige
Louis Spohr.

Erwähnte Personen: Schmidt, Johanna
Erwähnte Kompositionen: Mozart, Wolfgang Amadeus : La clemenza di Tito
Spohr, Louis : Jessonda
Erwähnte Orte: Halberstadt
Erwähnte Institutionen: Elbe-Musikfeste <wechselnde Orte>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833102417

http://bit.ly/2HHsrN7

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Türpen an Spohr, 20.10.1833. Türpen beantwortete diesen Brief am 24.11.1833, in dem Türpen sich auch zur Druckgeschichte dieses Briefs äußert.

[1] Vgl. „Das sechste Elb-Musikfest, gefeyert zu Halberstadt am 19ten, 20sten und 21sten Juny“, in: Allgemeine musikalische Zeitung 35 (1833), Sp. 496ff., hier Sp. 496; „Halberstadt, Musikfest am 19., 20. und 21. Juni“, in: Iris im Gebiete der Tonkunst 4 (1833), S. 107f., hier S. 108; Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 2, S. 161., Text mit fehlerhafter Paginierung auch online; ders., Louis Spohr’s Selbstbiographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 197.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (13.06.2018).