Autograf: Staatsbibliothek Berlin Preußischer Kulturbesitz – Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. Mus.ep. Spohr-Correspondenz 1,61

Herrn Louis Spohr
Doktor der Tonkunst und berühmter Tonsetzer
in Cassel

Recommandant
franco Gränze.


Wien, den 25 Aug. 1833.

Herrn Louis Spohr in Cassel.

Hochgeehrtester Herr und Freund!

Von meiner mehrmonatlichen Geschäfts- und Erholungsreise bin ich zwar schon seit ein paar Wochen zurück; allein es war mir im Drange so vieler während dieser langen Zeit sich angehäuften Expeditionen doch nicht möglich, Ihnen früher als jetzt zu schreiben. Recht sehr leid war mir, daß der Zug meiner Reise, bey der ich doch zum Theil auch von meinem Gefährten (dem Kunsthändler Müller von hier) abhing, nicht gestattete, Sie in Ihrer Heymath aufzusuchen. Ich freute mich, schon in Leipzig, wo ich hörte, daß Sie sich in Frankfurt a/m befänden, darauf, Sie in dieser Stadt zu finden; allein als ich dort ankam, waren Sie schon fort. – Mit Freund Hummel erging es mir eben so, nur mit dem Unterschied, daß dieser abends in Frankfurt eingetroffen, an welchem ich Tage ich morgens aus dieser Stadt abgereist bin. – Daher so Gott will, ein nächstes Mahl!
Ihre Sinfonie ist nun sowohl in Partitur als auch in Orchesterstimmen fertig gestochen, und eben bey der ersten Correctur. Ich werde Ihnen, wenn diese vollendet, einen Probeabdruck zur Revision einsenden. Bey dieser Gelegenheit erlaube ich mir, Sie vorzüglich auch auf die Orchesterstimmen aufmerksam zu machen, indem mein Corrector, Hr. v. Blumenthal sich geäußert, daß sogar Fehler in den geschriebenen Stimmen abgegangen seyen; ein Beweis, wie wenig man sich auf die ausführenden Musiker verlassen kann.
Diese Sinfonie wünsche ich auch als Quintetto (od. Sextett) arrangiren zu lassen. Ich frage, ob es Ihnen genehm wäre, wenn dieß Hr. Blumenthal auf sich nehme, oder ob Sie jemand geeigneten (der nicht unbillig wäre) selbst nachweisen wollen. – Ein anderes Arrangement welches die Auslagen zum Theil decken muß, nähmlich für das Pianoforte zu 4 Händen, werde ich von Carl Czerny oder Moeckwitz in Dresden bearbeiten lassen.
Mit dieser Sinfonie läßt sich vielleicht auch noch eine Spekulation mit der philharm. Gesellschaft in London zu Stande bringen. In der vorigen Saison war es zu spät, da mich ein Schreiben von Freund Moscheles erst gegen Ende der O.M.1 in Leipzig getroffen, und ich daher die nöthigen Einleitungen nicht mehr vornehmen konnte. Inzwischen habe ich vor einigen Tagen von diesem Freund ein Schreiben erhalten, worin er mich unter anderm auch benachrichtigt, daß er für die nächste Saison Direktor jener Gesellschaft sey, was dem obigen Vorhaben wohl schon zu Statten kommen dürfte.
Auf Rechnung Ihres Guthabens bey mir habe ich gegen Vorzeigung Ihres werthen Schreibens
f 408.- conv. Münze auf J.B. Streicher allhier, bereits unterm 20 Jul. bezahlt, worüber Sie anliegend die Bestätigung finden. Ich glaube, recht gethan zu haben, und Sie werden wahrscheinlich sogleich von H. Streicher davon unterrichtet worden seyn. Weiteres lege ich Ihnen noch
f 189. Thr. cour. in Ahs° auf Arnold von Eichthal in Augsburg gez. unt. 1 Jul. 3 Mon. dato von Joh. Velten
und f 200.- C.M. in Ahs° auf Aibl's Musikhandlung in München gez. unt. 5 Aug. 3 Mon. dato von Jos. Aibl
bey, und bitte, den Incasso seiner Zeit auf sich zu nehmen, um ein den entfallenden Betrag gut zur schreiben.
Ich empfehle mich Ihnen in vollster Hochachtung, und begrüsse Sie in freundschaftlicher Ergebenheit als

Ganz der Ihrige
Tobias Haslinger

Erwähnte Personen: Aibl, Joseph
Blumenthal, Joseph von
Czerny, Carl
Eichthal, Arnold von
Hummel, Johann Nepomuk
Mockwitz, Friedrich
Moscheles, Ignaz
Müller, Heinrich Friedrich
Streicher, Johann Baptist
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Die Weihe der Töne
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Philharmonic Society <London>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833082552

http://bit.ly/2ogeO1p

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Hasliner an Spohr, 22.03.1833. Spohr beantwortete diesen Brief und einen derzeit verschollenen Brief von Haslinger an Spohr, 26.08.1833 am 04.09.1833.

[1] Ostermesse.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.04.2017).