Autograf: Beethoven-Haus Bonn (D-BNba), Sign. NE 241,25

Sr. Wohlgeb
Herrn N. Simrock
Musikverleger
in
Bonn.

franco.1


Cassel den 14ten
August 1833.

Wohlgeborner Herr,

Nach einer Abwesenheit von 2 Monathen2 bin ich gestern Abend zurückgekehrt und habe Ihr geehrtes Schreiben vom 19ten Juni vorgefunden. Recht gern würde ich die letzte Durchsicht des Doppelquartetts übernommen haben, wäre ich bey dessen Einsendung in Cassel anwesend gewesen. Doch nun wird es längst abgedruckt und versandt seyn! Jedoch werde ich nächstens eine Aufführung davon veranstalten3 und sollten sich dann noch Fehler finden, so werde ich sie Ihnen, zum Behuf späterer Abdrucke, sogleich anzeigen. – Zu gleichem Zweck zeige ich Ihnen einen Stichfehler in dem 3ten Psalm an, auf den ich in Prag, wo man sie bereits einübte, aufmerksam gemacht wurde. Pagina 16 der Partitur müssen im letzten Takt die drei letzten Noten im Tenor eine Sechste höher stehen. Leider findet sich derselbe Fehler auch in den Stimmen.
Für gütige Übersendung der 200 Rth. Preuß. Courant, als Honorar für das Doppelquartett, so wie der Exemplare der 3 Psalmen, sage ich Ihnen meinen ergebensten Dank.
Die zweckmäßigsten Arrangements der Doppelquartette werden ohne Zweifel die für Pianoforte und Streichquartett und a quatre mains seyn; doch müssen beyde verständig und umsichtig gemacht werden, wenn sie Effekt machen sollen. Herr Gerke wird gewiß beyde zu unserer beyderseitigen Zufriedenheit machen können.4 Die Fähigkeiten der beyden anderen Herren zu solchen Sachen sind mir unbekannt.
Mit vorzüglicher Hochachtung

Ew. Wohlgeb.
ergebenster
Louis Spohr

Erwähnte Personen: Gerke, Otto
Erwähnte Kompositionen: Spohr, Louis : Doppelquartette, op. 87
Spohr, Louis : Psalmen, op. 85
Erwähnte Orte: Prag
Erwähnte Institutionen:
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833081421

http://bit.ly/1RluOb0

Spohr



Dieser Brief ist eine Antwort auf Simrock an Spohr, 19.06.1833. Der Antwortbrief Simrocks vom 11.09.1833 ist verschollen.

[1] Auf dem Brief findet sich außerdem noch der folgende Vermerk des Empfängers: „831. / Cassel 14/17 Aug. 1833 / Spohr / beantw. d. 11 Sept 33".

[2] Spohr reiste im Juni nach Halberstadt, wo er sich mit Friedrich Schneider die Leitung des sechsten Elbmusikfestes teilte. Anschließend machte er Urlaub in Marienbad (vgl. Louis Spohr, Lebenserinnerungen, hrsg. v. Folker Göthel, Tutzing 1968, Bd. 2, S. 160ff., Text mit fehlerhafter Paginierung auch online; ders., Louis Spohr’s Selbst-Biographie, Bd. 2, Kassel und Göttingen 1861, S. 196ff.). 

[3] Diese geplante Aufführung wird bei Michael Wackerbauer nicht erwähnt (Sextett, Doppelquartett und Oktett. Studien zur groß besetzten Kammermusik für Streicher im 19. Jahrhundert, Tutzing 2008, S. 471) nicht erwähnt. Nach Spohrs Brief an Simrock vom 24.08.1833 fand die Aufführung am 23.08.1833 statt.

[4] Tatsächlich erschien 1834 bei Simrock eine Bearbeitung des Doppelquartetts für Klavier zu vier Händen von Otto Gerke.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Wolfram Boder (02.12.2015).