Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Vogel,W.:1

Cassel, am 13ten Juli 1833.

Hochgeehrter Freund und College!

Ihre werthe Zuschrift aus Halberstadt vom 22ten v.M. ist dem G.l Director Feige und mir richtig zugekommen. Sie würden schon früher eine Antwort erhalten haben, wenn wir nicht gehofft hätten, Ihnen die höchste Entschließung auf unsere bericht mitzutheilen, womit wir die Liste der um Anstellung bei den neu zu organisirenden Hoftheater sich gemeldet habenden Theatermitglieder eingereicht haben. Bis jetzt ist aber eine höchste Resolution noch nicht erfolgt und ich weiß daher nicht, wie es später möglich seyn wird, bis zum 1ten October das Hoftheater ins Leben treten zu lassen. Auf meine dasselbige Erinnerung äußerte Se Hoheit1, daß vor allen Dingen für einen ersten Tenoristen gesorgt werden müsse. In dieser Beziehung will ich Sie nun benachrichtigen, daß H. Hoppe, dessen Sie in Ihrer Eingangs gedachten Zuschrift erwähnten, sich bis jetzt noch nicht gemeldet hat und nach der Äußerung der Dlle Meiselbach, mit welcher ich darüber sprach, auch nichts weniger als ausgezeichnet seyn soll.
Wenn Sie daher in möglichster Kürze Gelegenheit hätten, einen guten ersten Tenoristen ausfindig zu machen, so würde unsere Angelegenheit sehr dadurch gefördert werden.
Die Dlle Meiselbach konnte ein vortheilhaftes Engagement nach Mannheim bekommen. Ich zeigte solches Sr Hoheit an und erhielt darauf die höchste Resolution, derselben die bestimmte Zusicherung zu ertheilen, daß sie bei dem Hoftheater engagirt werden würde. Hierauf hat sie jenes Engagement abgelehnt und ist mit Bethmann nach Liebenstein gegangen. Letzterer hat viele Schulden hinterlassen, was ihm bei der guten Einnahme, die er hier gehbat hat, nicht zur Ehre gereicht. Papmann ist mit nach Liebenstein, um die schuldig gebliebenen Beträge in Empfang zu nehmen.
Bethmann hat über 9550 Rth. eingenommen u. außerdem hat ihm die Kurfürstin 50 Rth. geschickt.
Rosner ist, nachdem er zuvor den Bethmann hat exequiren2 lassen, heimlich durchgegangen. Glückliche Reise!
Der Kurprinz hat nach Ihrer Abreise das Theater nicht wieder besucht. Mit dem Befinden der Frau Gräfin geht es jetzt wieder gut.
Mit vorzüglicher Hochachtung und Freundschaft empfiehlt sich

Ihr
ergebenster
Vogel.

P.S.
Meine Frau läßt sich mit mir Ihrer Frau Gemahlin bestens empfehlen. Der Antrag wegen Rüdinger ist abgeschlagen.

Autor(en): Vogel, Wilhelm
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Feige, Karl
Hoppe, Eduard
Rosner, Franz
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte:
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833071346

http://bit.ly/3Ewog51

Spohr



Dieser Brief ist wie Karl Feige an Spohr, 12.07.1833 eine Antwort auf den derzeit verschollenen Brief Spohr an Karl Feige und Wilhelm Vogel, 22.06.1833.

[1] Der spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm.

[2]exequiren, vollziehen, ausführen (Befehle); ein- oder beitreiben (Schulden)“ (Friedrich Erdmann Petri, Gedrängtes Deutschungs-Wörterbuch der unsre Schrift- und Umgangs-Sprache, selten oder öfter entstellenden fremden Ausdrücke, zu deren Verstehn und Vermeiden, 3. Aufl., Dresden 1817, S. 185).

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (06.12.2021).