Autograf: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohnarchiv (D-B), Sign. 55 Nachl. 76,242
Druck: Edward Speyer, Wilhelm Speyer der Liederkomponist 1790-1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen dargestellt von seinem jüngsten Sohne, München 1925, S. 140 (teilweise)

Herr Kapellmeister L. Spohr
Wohlgeb
Cassel
in Hessen


[Ffurt a/m] 1 Juni 1833.

Theurer Freund!

Heute habe ich endlich von André Ihre 80 Th Ld’or erhalten.1 Auch die Solostimmen von Schelble habe ich bekommen. Nun warte ich noch einige Tage ob sich eine Gelegenheit nach Cassel zeigt. Gegentheils bleibt mir nichts übrig als Ihnen alles per Post zu senden. – Die Solostimmen machen f 4. und für mein kleines Saldo von 1830 zinse ich ebenfalls f 8„ 25a ab. Sie erhalten demnach nur 78 Ld’or und f 7„39, welches mit den abgegangenen f 12„25” die Summe von 80 Ld’or ausmacht. Haben Sie nun die Güte mir den Empfang mit einigen Zeilen zu bescheinigen.
Nach Ihrer Abreise hat sich mein Hauß zu einem Lazarett gestaltet. – Meine Mutter, meine Frau, 7 Kinder und 2 Mägde wurden beinahe gleichzeitig von der Grippe befallen. Meine Frau war sehr krank und mußte 2 mal Blutegel anlegen. Ich und die kleine Anna waren die einzigen die gesund blieben. Ich glaube, ich hätte die Krankheit auch bekommen, wenn ich Zeit dazu gehabt hätte.
Sagen Sie mir doch ob Sie meinen Brief durch die Karl erhalten haben, und wenn nicht, so schreibe ich Ihnen demnächst eine große Epistel. Nur heute nicht, denn ich bin so beschäftigt, daß mir der Kopf brummt.

Tausend Grüße an die Ihrigen, u. ewige Frdschaft
von Ihrem
WmSpy.

Erwähnte Personen: André, Johann Anton
Carl, Henriette
Schelble, Johann Nepomuk
Speyer, Anna
Speyer, Charlotte
Speyer, Maria Anna Eva
Erwähnte Kompositionen: Ries, Ferdinand : Die Räuberbraut
Erwähnte Orte: Frankfurt am Main
Erwähnte Institutionen: André <Offenbach>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833060132

http://bit.ly/1TvscZE

Spohr



Der letzte erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Speyer an Spohr, 08.05.1833. Spohr beantwortete diesen Brief am 09.06.1833.

[1] Dem Folgebrief nach das Honorar für Ferdinand Ries, wohl für die Kasseler Inszenierung von Die Räuberbraut.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (04.03.2016).

Frankfurt, 1. Juni 1833.

Nach Ihrer Abreise hat sich mein Haus zu einem Lazarett gestaltet. Meine Mutter, meine Frau, sieben Kinder und zwei Mägde wurden beinahe gleichzeitig von der Grippe befallen. Meine Frau war sehr krank und mußte zweimal Blutegel anlegen. Ich und die kleine Anna waren die einzigen die gesund blieben. Ich glaube, ich hätte die Krankheit auch bekommen, wenn ich Zeit dazu gehabt hätte ...