Autograf: Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel (D-Kl), Sign. 4° Ms. Hass. 287[Bischoff, G.F.:2
Druck: Felicitas Marwinski, „Musik, das edelste Vergnügen ...“. Vom Collegium musicum zu Kantor Bischoffs Musikfesten. Musikkultur in Frankenhausen am Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts, Weimar 2012, S. 85 (teilweise)

Hochverehrter Freund!

Von dem Herrn Oberlandesgerichts-Assessor Augustin zu Halberstadt freundlichst eingeladen, bei dem dortigen Musikfeste mit wirksam zu seyn und die desfalßigen Arrangements mit besorgen zu helfen, habe ich auch diese Eiladung angenommen, und werde den 5 Juni nach Halberstadt abreisen.
Wie ich mich freue bei der Gelegenheit Sie einmal wieder zu sehen, nur das bedarf wohl keiner Versicherung weiter! Die Erinnerung an unsere „glücklichen und unglücklichen Musikalischen Feldzüge zu Frankenhausen u Erfurt, welche doch erst den Impuls zu den Rhein- und Elbefeste gegeben haben, ist viel zu stark, um nicht auch Ihnen, als dem ersten Veteran-General der ganz alten Garde mit Verehrung, Dankbarkeit und Liebe zu gedenken. Doch, ich darf mich1 dieser Erinnerung nicht zu sehr hingeben; es macht mich wehmütig: das arme Frankenhausen! Die MusikfestesKirche ist bei dem gräßlichen Feuer unversehrt geblieben.2
Sollten Sie nun, Mein verehrter Freund,3 bei dem Feste in Halberstadt etwas besonderes eingerichtet wünschen, wozu ich beitragen kann; so haben Sie die Gewogenheit, es mir wissen zu lassen und ich werde mit allen möglichen Kräften Ihren Wünschen zu entsprechen suchen. Diese Anfrage ist der Zweck dieser Zeilen, deren Flüchtigkeit Sie entschuldigen wollen.
Die, Ihnen bekannte Fräulein v. Heister hier fragte mich vor einigen Tagen, ob ich nicht wüßte: ob Sie von Halberstadt aus gleich nach Marienbad reiseten, wie Sie Willen gewesen wären? Fräulein v. Heister wird auch nach Halberstadt zum Musikfest kommen, und wünschte denn mit Ihnen bis Dresden zu reisen. Es schien ihr viel daran gelegen zu seyn, und wenn Sie dieserhalb mich mit ein Paar Zeilen erfreuen wollen; so würde ich sogleich desfalls es mittheilen.
Wie übrigens die Besezung in Halberstadt ist, weiß ich nicht. Ich machte den Herrn Assessor Augustin auf Rauscher in Hannover aufmerksam und erhielt auch Auftrag denselben nebst des Flötisten Heinemeier einzuladen. Rauscher kann aber nicht, indem er zu der Zeit in Berlin Gastrollen zugesagt hat. Nun habe ich – wenn Mantius aus Berlin nicht können sollte, einen Dilettanten aus Lüneburg, Hrn Harsdorf vorgeschlagen4, welcher recht gut ist; doch habe ich wegen dessen Einladung noch keinen weiteren Bericht, weill – glaube ich – auch nach Leipzig an Eichberger geschrieben ist. Es ist nur Schade, daß die Kirche nicht wieder zu haben ist, in welcher das Fest 1828 war. Der Dom ist zu sehr verbaut und ich werde mit dem Orchesterbau, welcher – wie es scheint5 auszuführen mir zugedacht ist – meine Noth haben.
Nun, mündlich bald mehr. Ich grüße Sie inniger herzlich!

Stets Ihr
Verehrer und Freund
G.F. Bischoff

Hildesheim, 24 May 1833.

Autor(en): Bischoff, Georg Friedrich
Adressat(en): Spohr, Louis
Erwähnte Personen: Augustin, Luther
Eichberger, Joseph
Harsdorf
Heinemeyer, Christian
Heister, (Fräulein) von
Mantius, Eduard
Rauscher, Jacob
Erwähnte Kompositionen:
Erwähnte Orte: Halberstadt
Erwähnte Institutionen: Elbe-Musikfeste <wechselnde Orte>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833052443

http://bit.ly/

Spohr



Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Bischoff an Spohr, 11.01.1827. Der nächste erhaltene Brief dieser Korrespondenz ist Bischoff an Spohr, 16.07.1835, aus dem sich erschließen lässt, dass Bischoff zu den Empfängern von Spohrs Subskriptionsaufruf für den Klavierauszug seines Oratoriums Des Heilands letzte Stunden gehörte, dessen an Bischoffs gerichtetes Exemplar derzeit verschollen ist.

[1] „mich“ über der Zeile eingefügt.

[2] Vgl. „Frankenhausen“, in; Münchener Politische Zeitung (1833), S. 394.

[3] Hier ein Wort gestrichen.

[4] Vgl. Luther Augustin an Spohr, 20.05.1833.

[5] Hier ein oder zwei Buchstaben gestrichen.

Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (14.04.2022).