Autograf: Spohr Museum Kassel (D-Ksp), Sign. Sp. ep. 1.1 <18330323>
Beleg: Autographen. Historische Autographen, literarische Autographen, Musiker, Schauspieler und bildende Künstler, Stammbücher. Versteigerung am 20., 21. und 22. Oktober 1926 (= Katalog Liepmannssohn 48), Berlin 1926, S. 174f.

Sr. Wohlgeb.
Dem Herrn Organist
Adolph Hesse
in
Breslau.
 
 
Cassel den 23sten März
1833
 
Lieber Herr Hesse,
 
Leider werde ich wohl im Juni nicht in Cassel seyn, da ich mir fest vorgenommen habe, dieses Jahr mit meiner Frau wieder nach Marienbad zu gehen. Doch hoffe ich, wir werden uns irgendwo unterwegs treffen, denn es ist höchst wahrscheinlich, daß ich diesen [So]mmer eine Geschäftsreise für das Thea[te]r machen muß, da der Prinz mit Ernst [a]n die Wiedererrichtung eines Hoftheaters denkt.1 Ist hierüber erst etwas bestimmt, so werde ich Sie von der Richtung meiner Reise in Kenntnis setzen, damit wir uns irgendwo vieleicht auf einige Tage zusammen treffen. Ich habe jezt wieder außerordendtlich viel zu thun, da der Prinz immer neue Opern sehen möchte2 und komme daher selten zum Komponiren. Doch habe ich eine Concertante für 2 Violinen begonnen. - Ihre Ouverture hat uns sehr gefallen. Sie ist neuer in den Themen wie die frühere und hat dabey einen feurigen, natürlichen Fluß und höchst effektvolle Harmoniefolgen. – Fahren Sie nur so fort!
Mit herzlicher Freundschaft stets ganz der Ihrige
Louis Spohr.

Autor(en): Spohr, Louis
Adressat(en): Hesse, Adolph
Erwähnte Personen: Friedrich Wilhelm Hessen-Kassel, Kurfürst
Erwähnte Kompositionen: Hesse, Adolph : Ouvertüren
Spohr, Louis : Konzerte, Vl 1 2 Orch, op. 88
Erwähnte Orte: Marienbad
Erwähnte Institutionen: Hoftheater <Kassel>
Zitierlink: www.spohr-briefe.de/briefe-einzelansicht?m=1833032301

http://bit.ly/1sT8FAG

Spohr



Dieser Brief ist die Antwort auf Hesse an Spohr, 15.03.1833. Hesse beantwortete diesen Brief am 31.03.1833.
 
[1] Zur Wiedereröffnung der Theaters im November 1833 vgl. Reinhard Lebe, Ein deutsches Hoftheater in Romantik und Biedermeier. Die Kasseler Bühne zur Zeit Feiges und Spohrs (= Kasseler Quellen und Studien 2), Kassel 1964, S. 165ff.; zum neuengagierten Gesangspersonal ebd., S. 178-184.
 
[2] Nach der April 1832 erfolgten Schließung des Hoftheaters begleitete Spohr von Februar bis Juli 1833 mit dem Hoforchester Aufführungen der Theatertruppe von Heinrich Bethmann. In der Zeit, als Spohr diesen Brief verfasste, erlebte Kassel unter anderem Aufführungen von Carl Maria von Webers Der Freischütz (03.03.1833) und Louis J.F. Herolds Zampa (25.03.1833) (Lebe, S. 162-165).
 
Kommentar und Verschlagwortung, soweit in den Anmerkungen nicht anders angegeben: Karl Traugott Goldbach (23.12.2014).